Liquid Content
Was ist Liquid Content? Und warum ist die neue Content-Architektur für Medien wichtig? Antworten gibt es im kostenfreien Deepdive!
Dieser Deepdive befasst sich dem Fediverse und seinen Auswirkungen für die Medien. Wie funktioniert es? Und was sind Chancen und Herausforderungen?
Kostenfrei herunterladenWelche Fediverse-Dienste gibt es bereits, wie funktioniert das neue Social Web und was bedeutet es für Medienhäuser – unter anderem das beleuchtet der Deepdive des MedienNetzwerk Bayern Thinktank.
Relevanz

Jacqueline Hoffmann
MedienNetzwerk Bayern Thinktank
„Der Boom von künstlicher Intelligenz – entfacht durch ChatGPT – könnte den ohnehin schwindenden Traffic einbrechen lassen, den Suchmaschinen den Medienhäusern bescheren. Wenn intelligente Suchmaschinen wie Perplexity oder You sowie neue Angebote von Google und Microsoft nicht mehr nur die hilfreichsten Links anzeigen, sondern Fragen der User:innen verständlich beantworten – wer landet dann noch auf journalistischen Artikeln?“
Das Fediverse (ein Kofferwort aus den englischen Begriffen „federated“ und „universe“) ist ein dezentrales Netzwerk aus verschiedenen sozialen Medien, die durch offene Protokolle wie ActivityPub miteinander verbunden sind. Im Gegensatz zu geschlossenen Plattformen ermöglicht es den Nutzer:innen, über die Grenzen einzelner Apps hinweg zu interagieren und ihre Kontakte beim Wechsel eines Dienstes einfach mitzunehmen. Da es nicht von einem einzelnen Konzern kontrolliert wird, bietet es eine höhere Datensouveränität und macht die Kommunikation resilienter gegen Zensur. Medienhäuser können durch diese Struktur direkte Verbindungen zu ihrem Publikum aufbauen, die unabhängig von den Algorithmen großer Plattformbetreiber bestehen bleiben.
Für Medienhäuser bietet das Fediverse die Chance, eine direkte Verbindung zur Zielgruppe aufzubauen, die unabhängig von den Algorithmen großer Plattformbetreiber ist. Da die Interaktionen auf offenen Standards basieren, behalten Publisher die Kontrolle über ihre Kontakte und können Inhalte ohne Reichweitenbeschränkungen durch Dritte ausspielen. Dies unterstützt neue Geschäftsmodelle wie digitale Abonnements, da die Bindung zum Publikum gestärkt wird.
Bisher ist das Fediverse mit rund 20 Millionen Nutzer:innen noch eine Nische und bietet nicht den gewohnten Komfort zentralisierter Plattformen. Das Entdecken neuer Inhalte und die Suche nach anderen Nutzer:innen über verschiedene Instanzen hinweg gestaltet sich oft noch schwierig. Zudem kann die dezentrale Struktur dazu führen, dass einzelne Server ohne Vorwarnung abgeschaltet werden oder die Moderationsregeln je nach Instanz stark variieren.
Neben dezentralen Projekten wie Mastodon schließen sich zunehmend etablierte Schwergewichte wie Meta mit Threads sowie der Dienst Flipboard dem Fediverse an. Auch wichtige Akteure aus dem Bereich Web-Infrastruktur und Publishing, darunter WordPress, Mozilla, Ghost und Medium, setzen bereits auf diese Technologie oder planen ihren Beitritt. Im journalistischen Bereich nutzen Vorreiter wie die Tagesschau, ZEIT ONLINE oder das US-Magazin The Verge das Netzwerk, um direkte Verbindungen zu ihrem Publikum aufzubauen.
Es gibt eine Vielzahl spezialisierter Dienste, wobei Mastodon als dezentrale Alternative zu X der bekannteste ist. Weitere Beispiele sind Pixelfed für Fotos und Videos, PeerTube als Video-Hosting-Dienst sowie Funkwhale für Audioinhalte. Auch Plattformen wie BookWyrm für Buchempfehlungen oder Lemmy als Link-Aggregator gehören zum ständig wachsenden Ökosystem.