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Frank Foerster

Hyperbowl revolutioniert die Filmproduktion

Von Katrin Reichwald

Hyperbowl bringt virtuelle Welten auf einen riesigen LED-Screen und ermöglicht so eine neue Art der Bewegtbild-Produktion. In Hollywood wurde die Technologie bereits für Blockbuster wie Disneys The Mandalorian eingesetzt. Als erstes Studio dieser Art in Europa bringt Hyperbowl sie nun nach München. Im Interview erzählt CEO Frank Foerster, wie die Corona-Krise zum Auslöser für das Innovationsprojekt wurde und warum die virtuelle Produktion die Film- und Werbebranche revolutionieren wird.

Eine neue Ära der Contentproduktion” – das Mission Statement von Hyperbowl verheißt Großes. Was hebt die LED-Technologie vom klassischen Greenscreen ab?

Frank Foerster: Vor allem bedeutet das virtuelle Setting ein effizientes Produzieren und bietet die Möglichkeit, nicht einfach nur reale Umgebung zu simulieren, sondern ganz neue Welten zu schaffen. Innerhalb dieser direkt mit der Kamera zu drehen, wird die Produktionsabläufe komplett umkrempeln. Beim Greenscreen wird das Bild erst im Nachhinein eingebaut, über den LED Screen ist es bereits beim Dreh zu sehen. Das war früher immer ein kleiner Blindflug für Regisseure und Kameraleute. Man hat zwar Moods gehabt, aber man konnte sich in dem gedrehten Bild nicht so gut orientieren.

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Woher stammen die virtuellen Settings für den LED Screen?

Foerster: Im Grunde wird einfach ein bisher nachgelagerter Produktionsschritt vor den Dreh geschoben: Ich muss eine künstliche Welt erschaffen. Dafür gibt es Bibliotheken, aus denen ich mir Objekte, ganze Szenerien für wenig Geld kaufen kann. Das Gute daran ist, dass sie digital vorliegen. Ich kann die Welten aus den Libraries komplett modifizieren, sodass sie völlig unterschiedlich wirken und sich keine Szenerie wiederholt. Ursprünglich kommen die Objekte in diesen Bibliotheken aus dem Gaming-Bereich. Es sind fast ausschließlich computergenerierte Umgebungen. Unter anderem gibt es einen großen Marketplace vom Softwareunternehmen Epic Games. Aber auch Unternehmen, die sich bisher mit der Bereitstellung von Material für die Postproduktion beschäftigt haben, haben gemerkt, dass es in dem Bereich einen wachsenden Markt gibt. Deshalb haben sie angefangen, entsprechende Bibliotheken vorzubereiten. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis 3D-Scan-Bibliotheken aufbereitet und dem Markt zugänglich gemacht werden.

Wer genau steckt hinter Hyperbowl?

Foerster: Insgesamt sind es drei Firmen, die sich für die Hyperbowl zusammengetan haben: Das Frankfurter Unternehmen Acht, das sich normalerweise mit der Postproduktion für Filme beschäftigt, aber auch mit der kompletten Erstellung von computeranimierten Filmen. Die zweite Firma ist Nsynk – ebenfalls aus Frankfurt –, die sich mit dem Thema Echtzeit-Medien beschäftigt und in der Hyperbowl für die Programmierung der UNREAL Plattform verantwortlich zeichnet. Und meine eigene Firma TFN aus Hamburg, die Kunden die komplette Planung der Medientechnik für internationale Messen und Veranstaltungen anbietet. 

Und wie haben Sie zusammengefunden?

Foerster: Wir kennen uns aus dem Automobil-Bereich, aus dem der Großteil unserer Kunden stammt. Wir haben uns überlegt: Wie können wir den Kunden eine außergewöhnliche Möglichkeit geben, ihre Produkte zu präsentieren? Eigentlich wollten wir das Studio gar nicht selbst bauen. Unsere Idee kam zwar gut an, aber keiner unserer interessierten Kunden wollte mit Beginn des Lockdowns investieren. Da dachten wir: Wir machen es selber. Im Juni 2020 fingen wir in der Messe München an, das Studio zu bauen. Ende Juli waren wir produktionsfertig.

Welche Rolle hat die Corona-Krise für die Hyperbowl gespielt?

Foerster: Corona hat uns die nötige Zeit gegeben, die wir für die Entwicklung brauchten. Keiner von uns hätte in seinem normalen Tagesgeschäft untergebracht, sich monatelang mit der Entwicklung der Technologie zu beschäftigen. Insofern ist das Ganze ein Corona-Projekt.

Mit der LED-Produktion gibt es Produktionssicherheit und man ist völlig unabhängig vom Wetter oder Corona-Beschränkungen.

Frank Foerster

Allerdings keines, das mit Corona endet. Was ist an der LED-Produktion so zukunftsträchtig?

Foerster: Mit der LED-Produktion gibt es Produktionssicherheit und man ist völlig unabhängig vom Wetter oder Corona-Beschränkungen. Das Thema Nachhaltigkeit wird immer wichtiger. Große Reisen sind mit dieser Art zu produzieren nicht mehr nötig. Außerdem kommt der finanzielle Faktor hinzu: Virtuelles Drehen wird Geld sparen, weil es Drehtage spart. Im Moment sind die Preise noch nicht so marktkonform, wie es in zwei bis drei Jahren der Fall sein wird. Spätestens dann ist die Entscheidung für die Produktion auch eine wirtschaftliche.

Das Projekt Hyperbowl ist gestartet mit einem starken Fokus auf der Automobilbranche. Welche Zielgruppen sind seitdem dazugekommen?

Foerster: Die Automobilbranche ist nach wie vor eine wichtige Zielgruppe. Aufgrund der Reise-Restriktionen und geringerer Kosten sind aber auch andere Unternehmen wie Aldi, Milram oder 8×4 auf uns aufmerksam geworden. Natürlich muss die neue Produktionsweise erst einmal im Markt Akzeptanz finden. Es gibt da so einen schönen Spruch am klassischen Set: “Das machen wir dann in der Post.” Der gilt für alles, was man im jeweiligen Moment nicht entscheiden möchte. Diese Entscheidungen müssen bei der virtuellen Produktion bereits im Vorfeld getroffen werden und das müssen die Kunden erst lernen. 

In der Werbebranche kann die Kurzfristigkeit, die Planbarkeit, ein Riesenvorteil sein. Wie sieht es mit der Filmbranche aus?

Foerster: Die Filmbranche ist grundsätzlich etwas anspruchsvoller als die Werbefilmbranche. Auch, was die technische Umsetzung eines Projekts angeht. Nichtsdestotrotz haben wir mittlerweile verstärkt von Produktionsfirmen Anfragen bekommen. Im Film oder in einer Serienproduktion kann ich den realen Setbau wie auch die virtuelle Umgebung immer wieder anwenden. Das macht Produktionszyklen wahnsinnig effektiv. Die Planungen sind in dem Bereich allerdings immer etwas längerfristig. Wir rechnen mit der Umsetzung des ersten Filmprojekts bei uns deshalb etwa gegen Ende 2021.

Die Anforderungen an den Realismus verschwimmen, da Hintergründe und Szenen immer digitaler werden.

Frank Foerster

Welche Rolle spielt der qualitative Unterschied zwischen realer und virtueller Welt als Set für die Filmproduktion?

Foerster: Die Technologie der virtuellen Produktion entwickelt sich schnell. Wir werden also auch ohne Nachbearbeitung immer realistischer werden können. Gleichzeitig entwickeln die Zuschauer durch die Massen-Produktionen, die mittlerweile an jeder Ecke stattfinden, ein anderes Sehverhalten. Die Anforderungen an den Realismus verschwimmen, da Hintergründe und Szenen immer digitaler werden. Vor allem die junge Generation kennt das aus dem Gaming-Bereich und muss sich nicht großartig umgewöhnen.

Gerade in der Serienproduktion wird die Entscheidung für die virtuelle Produktion wirtschaftlich geprägt sein: Ich kann schnell und günstig produzieren. Die Spielfilm- und Kinofilm-Produktion wird einen Mittelweg nehmen, Virtual Production da nutzen, wo sie Sinn macht, und gleichzeitig weiterhin konventionell produzieren.

Was ist eure Vision für die nächsten Jahre?

Foerster: Wir gehören zu der Gruppe von Startups, die an ein Produkt geglaubt haben und einfach losgerannt sind. Wir wussten, das Ding kann fliegen, weil die richtigen Partner an Bord waren. Durch unseren Entwicklungsvorsprung in Europa können wir unsere Vorreiterrolle weiter ausbauen. Wir produzieren seit August 2020 und lernen jeden Tag mehr. Jetzt sind wir im Filmsektor angekommen. Dafür wollen wir Standards definieren. Wie es dann weitergeht, können wir aktuell selbst noch nicht sagen. 

Du willst noch mehr über Hyperbowl erfahren? Mit seinem Vortrag „Die neue Ära der Content Produktion: Das virtuelle Studio“  ist Frank Foerster Teil des Konferenzprogramms von MEDIA meets NEW WORK am 11. Mai. Melde dich jetzt kostenfrei an!

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