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Medientrend 2024: Customized Assistance

Customized Assistance

KI-Tools – mehr als bloße Hilfestellung


von Chris Schinke, 22.01.2024

Vielseitig nutzbare KI-Assistenten halten zunehmend Einzug in den Arbeitsalltag. Die fortgesetzte Entwicklung solcher Tools bringt dabei immer mehr personalisierte, auf konkrete Nutzer:innen zugeschnittene Lösungen voran. Beim Prinzip Customized Assistance werden generative KI-Anwendungen so konzipiert und programmiert, dass sie spezifische Anpassungen und Dienstleistungen bieten, um Nutzer:innen bei ihren Aufgaben optimal zu unterstützen. Auch in Medienberufen finden maßgeschneiderte generative KI-Anwendungen nun häufiger Einsatz.  

Bereits im Jahr 2016 hatte der Facebook-Gründer Marc Zuckerberg die Idee für einen persönlich maßgeschneiderten Assistenten. Das Ziel des „Jarvis“-Projekts war es, ein Assistenzsystem zu entwickeln, das auf künstlicher Intelligenz basiert und in der Lage ist, sprachgesteuerte Befehle zu verstehen und auszuführen. Jarvis sollte Aufgaben im Haushalt wie die Lichtsteuerung erledigen, Küchengeräte steuern sowie im Home-Entertainment Einsatz finden. Auch auf komplexe sprachliche Anfragen sollte Jarvis reagieren und Informationen liefern. Durch die Nutzung von Deep-Learning-Techniken und fortgeschrittenen neuronalen Netzwerken sollte Jarvis aufgrund seines generativen Ansatzes für die Nutzer:innen zielführende Ergebnisse liefern.

 

Customized Assistance: Von der Vision zur Realität


2024 werden Customized-Assistance-Systeme wie das Jarvis-Projekt zunehmend Realität. Der Start des GPT-Store von OpenAI erweist sich in der Hinsicht als zukunftsweisend. Nutzer:innen mit ChatGPT-Plus-Konto können können auf den Store zugreifen. In ihm finden sich zahlreiche Spezialanwendungen von Chatbots, die spezifische Aufgaben übernehmen können. Nutzer:innen haben dort außerdem die Möglichkeit, ihre selbst erstellten Chat-Assistenten anderen Anwender:innen zur Verfügung zu stellen. Dadurch entsteht ein vielfältiges Angebot an KI-Unterstützung für verschiedenste Aufgaben. Beim zugrundeliegenden GPT-4-Modell handelt es sich um ein multimodales Large Language Modell (LLM), das mit mehreren Typen von Ein- und Ausgaben umgehen kann– beispielsweise mit Text, Audio und Video. In einem Tool oder Chat können somit eine Vielzahl von Funktionen auf den User zugeschnitten angeboten werden. 

Customized Assistance: GPT Store
Im GPT Store von Open AI finden sich zahlreiche Spezialanwendungen von Chatbots. | Quelle: chat.openai.com/gpts


Zugriff auf GPT-4 bietet auch der Microsoft Copilot. Der Assistent ist in die Microsoft 365-Apps wie Word, Excel, Outlook und Teams integriert. Ein Abo ermöglicht den Zugriff auf Funktionen wie eigene GPTs. Nutzer:innen können dabei angepasste Versionen von Copilot für bestimmte Aufgabenbereiche trainieren. Copilot kann auch als integrierte Browser-Lösung für jeden frei zugänglich genutzt und für ein breites Spektrum an Aufgaben eingesetzt werden. Zum Beispiel für das Erstellen von Bildern, Einkaufslisten oder auch bis zum Schreiben von Code.

 

Verbreitung von KI in der Medienbranche


Laut einer von XPLR: MEDIA in Bavaria in Zusammenarbeit mit 1E9 jüngst durchgeführten Studie gaben 78 Prozent der befragten Angestellten bayerischer Medienhäuser an, dass in ihren Unternehmen bereits mit KI gearbeitet werde. 96 Prozent der Befragten, die KI auch selbst nutzen, tun dies regelmäßig, hauptsächlich zur Textgenerierung und zur Erstellung von Bildern und Videos. Die KI-Entwicklungen haben nicht nur die Arbeitsweise in der Medienbranche, wie etwa beim Bayerischen Rundfunk verändert, sondern auch Horizonte für Effizienz, Personalisierung und Innovation eröffnet. Und die Entwicklung im Bereich Assistenz durch generative KI ist dabei noch lange nicht am Ende angelangt. Innovationsschübe zeigen sich sowohl in den Bereichen Bewegtbild und Audio, als auch rund ums Publishing. 

Customized Assistance: Use Cases
In einer Umfrage unter über 4000 (n=4023) Nutzer:innen gab es eine Vielzahl an Use Cases für KI-Unterstützung. | Quelle: Activate Technology and Media Outlook 2024

KI-Fortschritte in den Bereichen Bewegtbild, Audio und Publishing


Im Bereich der Video-Tools eröffnen sich Horizonte unter anderem in der automatisierten Bewegtbildbearbeitung. So können Schnitte, Übergänge und Effekte automatisch generiert werden, was zu einer erheblichen Beschleunigung der Arbeitsabläufe führt. Durch KI-gestützte Bilderkennung können Videos sehr einfach bearbeitet und nach bestimmten Bildern oder Szenen durchsucht werden. Außerdem kann KI assistierend eingesetzt werden, um automatisch Untertitel für Videos zu generieren oder um automatisierte Transkriptionen durchzuführen. Als hilfreich bei der Überwindung von Sprachbarrieren erweisen sich zudem Sprachdubs, die u.a. eine lippensynchrone Übersetzung von Video Content ermöglichen.

In der Audiobranche hat im Bereich KI ein ebenso rasanter Fortschritt eingesetzt, der zu zahlreichen Tools im Redaktionsalltag führt. KI ermöglicht die automatisierte Transkription von gesprochenen Wortbeiträgen. Das erleichtert v.a. auch die Indexierung von Audioinhalten und macht sie so leichter durchsuchbar. Synthetische Stimmen finden im Radio Einsatz, etwa beim Wetterbericht oder aktuellen Verkehrsnachrichten. Besonders der Bereich der Postproduktion von Audioinhalten erfährt durch KI-Tools eine Optimierung. Sie können Hintergrundgeräusche eliminieren sowie die Audioqualität verbessern – auch bei suboptimalen Aufnahmebedingungen, wie etwa in Umgebungen mit vielen störenden Geräuschen. Zunehmend ist auch eine Transkription von Dialekten möglich – bedeutend besonders für regionale Anbieter. 

Assistierende KI-Tools finden rund ums Publishing insgesamt verstärkt Einsatz. Vor allem der Trend personalisierter und auf den/die jeweilige:n Nutzer:in zugeschnittene Anwendungen wird sich 2024 fortsetzen – besonders im Bereich der Textgeneration und -automatisierung, Schreibunterstützung, Transkription und bei Übersetzungen. Recherche-, Themenfindungs- und Analysetools versprechen im redaktionellen Einsatz, bedeutsame Informationen besser einschätzen zu können.

 

Ausblick: Das bedeutet Customized Assistance für die Medien


Die Entwicklung deutet darauf hin, dass KI-Tools in den Medien nicht nur bloße Hilfestellung liefern, sondern vielmehr zu universellen Assistenten heranreifen. Neue Generationen von Assistenten – vor allem multimodale Modelle – und Custom GPTs können Medienschaffende umfassender unterstützen als je zuvor. 

 

Quellen & nützliche Links


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