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Medientrend 2024: Hyperpersonalisierung

Hyper! Hyper! Personalisierung

Warum Nischen-Content boomt


von Nora Beyer, 23.01.2024

Cat Content meets Melodic Death Metal? Dank KI heißt es heute medial: Jede:r nach seiner:ihrer Façon. Dank künstlicher Intelligenz haben Mediennutzende Zugriff auf hyperpersonalisierten Content. Und das ohne großen Invest oder Aufwand. Auch darin liegt das disruptive Element von ChatGPT und Co. Viele KI-Tools sind kostenfrei oder kostengünstig und entsprechend niederschwellig nutzbar. Die Medienangebote sind quasi grenzenlos und maximal individualisierbar. Das kann dazu führen, dass die Interessensgruppen fragmentierter werden: Bubbles und Echokammern entstehen. Zugleich boomt Nischen-Content, Personalisierung wird zentral.

Laut Global Service Studie 2023 der PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft sind 60 Prozent der befragten Verbraucher:innen bei fehlender Personalisierung weniger loyal. Hyperpersonalisierung meint dabei die echtzeitgetriebene und kontextrelevante Nutzung von Browser- und Verhaltensdaten unrer Einsatz von KI. Auf Basis großer, mithilfe von KI ausgewerteter Datenmengen wird Kundenkommunikation individuell gestaltet und gesteuert – indem hochgradig personalisierte Inhalte und Angebote via KI ausgespielt werden. Ziel ist die größtmögliche Optimierung von Nutzererlebnissen anhand passgenau zugeschnittener Kommunikationsbotschaften.

Hyperpersonalisierung: Kund:innen zeigen mehr Markentreue
Mehr Markentreue und Loyalität durch Hyperpersonalisierung | Quelle: PwC's Global Service Studie 2023

Hyperpersonalisierung ist der Schlüssel zum Markterfolg


Für Medienschaffende, insbesondere im Bereich Marketing, bietet KI-kuratierte Personalisierung zukünftig enormes Potenzial. Die hohe Nachfrage macht Nischenangebote und innovative Tools attraktiv. Laut des McKinsey Next in Personalization Reports haben Unternehmen mit starker Kundenbindung durch Personalisierung einen erheblichen Wettbewerbsvorteil und generieren schneller mehr Einnahmen. Über 70 Prozent der Nutzer:innen erwarten personalisierte Inhalte. Diese stärken die Markenbindung. Eindrücklich bewiesen hat das etwa Mega-Konzern Amazon. Dank hyperpersonalisierter Kund:innenerlebnisse erhielt die Plattform knapp 280 Prozent mehr positive Bewertungen als andere Marken.

Hyperpersonalisierung wird 2024 das Thema für Medienunternehmen. Denn: Es bietet die Chance, Kundenbindung durch Herstellung von Intimität zwischen Medienangebot und Kund:in zu erreichen und zu monetarisieren. Wichtig dabei: Die Personalisierung muss sich für die Nutzer:innen wirklich persönlich anfühlen.Außerdem sollten bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden – darunter etwa die Sicherstellung einer hohen Datenqualität und die Wahl der passenden Tech-Tools, um ein wettbewerbsfähiges Personalisierungs-Niveau erreichen zu können.

 

Hyperpersonalisierter Content – diese Beispiele gibt es bereits


Der Einsatz von KI ermöglicht es auch, Produktionskosten zu senken und damit Nischeninhalte auf verschiedensten Kanälen zu streuen. Ein internationales Beispiel für hyperpersonalisierten News-Content ist die indische App way2news, die Nutzenden hochgradig personalisierte, lokale News ausspielt. Oder das israelische Start-up Terrific. Dieses bietet eine Live-Commerce-Plattform an, die via KI in Echtzeit Daten auswertet und es Moderator:innen dadurch ermöglicht, Verkäufe zu steigern. Die bei Livestreams generierten Daten geben unter anderem Aufschluss über Alter und Wohnort der Nutzer:innen und über welche Social Media-Plattform sie sich zugeschaltet haben. 

Hyperpersonalisierng: Internationales Beispiel war2news
Die indische App way2news ist ein internationales Beispiel für hyperpersonalisierten News-Content. | Quelle: Screenshot way2news.com


Ein weiteres Beispiel für Personalisierung ist das KI-Webradio bigGPT von Audiotainment Südwest, das für sein Angebot Technologie aus Ohio nutzt. Hintergrund des Ganzen: Der Softwareentwickler Futuri Media hat ein System namens RadioGPT entwickelt, das als Whitelabel-Programm weltweit Anwendung findet und individuell angepasst werden kann. Dadurch erreicht der Radiosender ganz spezielle Zielgruppen. Das Programm soll sich zunächst an eine technikaffine Zielgruppe richten, insbesondere junge Männer zwischen 15 und 35 Jahren. bigGPT soll damit keine Konkurrenz für herkömmliche Radiosender sein, sondern vielmehr ein Nischen-Angebot für die Nicht-Hörer:innen im Markt darstellen.

Ein gutes Beispiel für die Nutzung personalisierter KI-Tools ist auch das Münchner Software-Startup Varia. Dieses hat sich auf Natural Language Processing und Textanalyse spezialisiert und die Überwachung und Kategorisierung von Nachrichten und das Ausspielen passender Artikel und Informationen abhängig vom jeweiligen Nutzerverhalten erlaubt. Ein weiteres Projekt des Startups ist die Varia API, deren Perspectives-as-a-Service-Ansatz die Möglichkeit bietet, zu einem bestimmten Thema ganz unterschiedliche Perspektiven vorgeschlagen zu bekommen. Das sorgt dafür, dass möglichst viele Ansichten und Perspektiven in den Blick kommen – ein Spiegel des gesamtgesellschaftlichen Meinungspluralismus. 

Auch der Online Publisher social sweethearts, ebenfalls mit Sitz in München, bietet personalisierte Nachrichtenseiten an. Besonderes Merkmal: Der Fokus auf feel-good-Inhalte. Traditionsreiche Medienhäuser wie die Süddeutsche Zeitung punkten ebenfalls mit entsprechenden Angeboten – etwa dem personalisierten Jahresrückblick. Die Funke-Mediengruppe arbeitet an einem KI-Prozess, der E-Paper-Ausgaben von Tageszeitungen personalisieren und automatisch layouten soll. 

Hyperpersonalsierung: SZ Jahresrückblick
Traditionsreiche Medienhäuser wie die Süddeutsche Zeitung punkten mit hyperpersonalisierten Angeboten – etwa dem persönlichen Jahresrückblick | Quelle: Screenshot sueddeutsche.de


All das bedient den Trend der Individualisierung. Statt in klassischen Teilöffentlichkeiten sammeln sich die Zielgruppen in vertraulichen Wertegemeinschaften und Communities, in denen die eigene Individualität ausgelebt werden kann. Für Medienschaffende bedeutet das die Möglichkeit, durch persönlich zugeschnittene Angebote Menschen zu erreichen, Vertrauen zu schaffen und zu binden. Es ist die Stunde des Nischen-Contents, in der sich Medienangebote, die möglichst alle erreichen müssen, um die gemeinsame Informationsbasis innerhalb der Gesellschaft zu gewährleisten, Gehör verschaffen müssen. Diesen Spagat gilt es zu meistern. 

 

Quellen & nützliche Links





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