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Treffer statt Traffic: Wie KI-Logik das Gießkannenprinzip im Messenger ersetzt


von Lisa Priller-Gebhardt, 5. Februar 2026

Intelligente Automatisierung macht möglich, was redaktionell kaum leistbar ist: Stadtviertel und Vororte werden zu eigenständigen Nachrichtenräumen. Das Phänomen WhatsHyperlocal beschreibt genau diesen Wandel: Messenger-Channels schlagen dabei die Brücke in den Alltag – sie bringen Inhalte direkt zu den User:innen. Damit wächst Lokaljournalismus aus seiner Rolle vom Informationsanbieter zum relevanten Begleiter. 

WhatsApp ist aus dem Alltag nicht wegzudenken. Mit der Einführung der Channels im Herbst 2023 folgte der logische Schritt: Inhalte genau dort ausspielen, wo die Nutzer:innen bereits sind. „Ein Blick in die Channel-Charts zeigt, dass weltweit die Fußball-Clubs den größten Zulauf haben“, sagte Petra Schwegler, Senior Partner & Program Manager vom MedienNetzwerk Bayern im Rahmen der Präsentation der Medientrends 2026

Laut ARD/ZDF-Medienstudie 2024 ist 54 Prozent der Deutschen das Angebot ein Begriff, jede:r Dritte in der Gen Z hat bereits mindestens einen Channel genutzt. Tendenz steigend.

Statistik: WhatsApp-Kanäle sind besonders bei der Generation Z bekannt und beliebt.
WhatsApp-Kanäle sind besonders bei der Generation Z bekannt und beliebt. Aber auch die 30-49-Jährigen nutzen die Channel-Funktion gerne. Mit steigendem Alter nehmen Bekanntheit und Nutzung stetig ab.


Statistik: Der Anteil der Internetuser, die WhatsApp nutzen, um Nachrichten zu suchen, zu lesen und zu teilen ist besonders bei der Generation Z mit 20 % hoch.
WhatsApp ist wesentlicher Teil des Alltags der meisten online aktiven Menschen geworden ist. Es ist mit Abstand der meistgenutzte Messengerdienst. Um seine Zielgruppen also direkt dort zu erreichen, wo sie sich ohnehin aufhalten, sind WhatsApp Channels ein guter Weg, der zudem nicht in den geschützten Raum der privaten Chats eindringt.

Künstliche Intelligenz erleichtert das Handling


Heute setzen auch deutsche Medien und Marken auf diesen direkten Zugang zu ihren Zielgruppen. „Die Distanz zwischen Sender und Empfänger sinkt“, sagt Journalistik-Professor Dr. Klaus Meier von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Für lokale Verlage, die bereit sind, ihren Content-Pool zu öffnen, sei das ein guter zusätzlicher Kanal, um Menschen direkt anzusprechen. „Lokale Medien setzen die WhatsApp-Kanäle gern ein, denn sie brauchen dafür kein riesiges Team“, so Meier. 

Damit kleinere lokale Einheiten – ein Stadtviertel, oder ein Vorort – tatsächlich effizient und erfolgreich bedient werden, braucht es die Unterstützung von KI. Tools helfen, Channels automatisiert zu bespielen. Dabei kommen die Inhalte eher wie ein kurzer Newsletter daher, die User:innen können mit Emojis reagieren und an Umfragen teilnehmen, jedoch nicht in Textform antworten.

Zu den deutschen Medien, die Channels bereits nutzen, um ihre Zielgruppe anzusprechen, zählen beispielsweise die Stuttgarter Nachrichten, Nordbayern.de, Illertisser Zeitung oder Radio Hamburg

WhatsHyperlocal: WhatsApp-Channel für ländliche Regionen 


Doch ein Projekt sticht dabei besonders heraus: Nach der Schließung einiger Lokalredaktionen hat die Süddeutsche Zeitung festgestellt, dass sie mit ihren Medien zwar München und andere bayerische Communities gut erreicht. Doch ein Bereich blieb unterversorgt: Das Münchner Umland, insbesondere die jüngeren Zielgruppen dort. Die Lösung: KI-getriebene Channels. Acht lokale WhatsApp-Kanäle wurden im Oktober vergangenen Jahres eingeführt – für die Landkreise München, Dachau, Ebersberg, Erding, Freising, Fürstenfeldbruck, Starnberg und Bad Tölz-Wolfratshausen. Die Follower:innen-Zahl liegt aktuell bei knapp 8.000, am stärksten ist der Kanal für den Landkreis München.  

WhatsApp-Channels lohnen sich für Lokalmedien als direkteren Draht zu ihrer Community
Besonders für lokale Medien sind WhatsApp Channels eine interessante Möglichkeit, einen direkteren Draht zu ihrer Zielgruppe aufzubauen.
Seit ihrer Einführung 2023 werden sie schon von vielen Lokalmedienhäusern genutzt. KI unterstützt die Hyperlokalität in automatisierten Channels zusätzlich.


Die KI analysiert Informationen aus der Redaktion, aber auch die von Websites von Landratsämtern, Vereinen und auf dem E-Paper. Dann wandelt sie die Informationen in strukturierte Outputs für Newsletter, Podcasts und eben auch für die WhatsApp-Channels um. Im Anschluss folgt das Factchecking und dann werden sie ausgespielt. 

Nicht jedes Vorhaben muss sich gleich rentieren


„Dieses Projekt arbeitet nach journalistischen Kriterien und ist richtig gut gemacht“, sagt die Medienexpertin Schwegler. Außerdem findet sie es angenehm, dass die User:innen nicht mit Meldungen geflutet werden. „Sechs bis sieben pro Tag reichen völlig.“ 

Zur Frage nach der Monetarisierung ordnet Petra Schwegler ein: „Journalismus ist nicht immer ein Geschäftsmodell. Doch gerade WhatsApp-Channels sind ein gutes Vehikel, um den Medienbruch zu umgehen. Damit erreicht die Marke SZ auch Menschen, die nicht zu ihrer klassischen Zielgruppe gehören.“

Der Kanal zur Leserschaft vor Ort


Der Blick über die Landesgrenzen zeigt, dass WhatApp-Channels auch dazu dienen können, User:innen dort mit Infos zu versorgen, wo keine lokalen Newsrooms mehr existieren. So hat der Verein Spatz aus Basel einen KI-gestützten Newsletter für ländliche Regionen in der Schweiz lanciert, um Informationslücken zu schließen, die durch das Verschwinden lokaler Zeitungen entstanden sind. Mithilfe von KI erstellt Spatz Newsletter, die speziell auf Mikroregionen zugeschnitten sind. Dazu werden lokale Websites, Vereine und Behörden automatisch gescannt und vorstrukturierte Inhalte generiert. Zudem können auch Ortsansässige Inhalte beitragen. Der Newsletter wird wöchentlich unter anderem per WhatsApp verschickt. Der Spatz soll auch über die Landesgrenzen fliegen: Perspektivisch könnte er auch in Deutschland und Österreich eingeführt werden.

 

Quellen & nützliche Links