Netzwerkwissen Creator Economy: Eine Frau filmt sich selbst für Social Media

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Die Creator Economy: Leidenschaftlich, echt, erfolgreich

ursprünglich von Stefanie Ruth Heyduck, 10. März 2022; aktualisiert am 21. September 2026

Auf Social Media ist längst eine neue Generation von Medienschaffenden herangewachsen. Junge Kreative erstellen Inhalte zu Themen, die ihnen am Herzen liegen – in einer Qualität, von der selbst Profis noch etwas lernen können. Dabei verlassen sie sich nicht mehr nur auf die großen Plattformen, sondern gründen ihre eigenen, unabhängigen Unternehmen.

Plattformdemografien der Top Social-Media-Plattformen

Was ist die Creator Economy?

Einfach formuliert: Zur Creator Economy gehört jeder Mensch, der online mit Inhalten Geld verdienen will. Es ist ein gigantischer Markt, der sich aus Social-Media-Plattformen, dem Influencer-Marketing-Business sowie Millionen von Creators und Startups zusammensetzt. Marktbeobachter:innen schätzen das globale Volumen der Creator Economy im Jahr 2025 auf rund 250 Milliarden US-Dollar, im Jahr 2026 sogar auf 310 Milliarden US-Dollar. TikTok hat die Szene in den letzten Jahren maßgeblich geprägt, doch auch YouTube (insbesondere mit Shorts) und Instagram bleiben zentrale Säulen, auf denen Creators heute multimediale Geschäftsmodelle aufbauen.

 

Der Aufstieg der Creators

Die Anfänge der Creator Economy gehen auf das Jahr 2014 zurück, wo es auch für eine neue Generation von Teenagern erstmals möglich wurde, sich selbst im Rahmen der entstehenden Digitalgesellschaft im öffentlichen Raum zu platzieren. Inzwischen ist die Creator Economy absolut im Mainstream angekommen. Das zeigt auch eine Studie der Privaten Hochschule Göttingen: Bei einer Befragung im Mai 2023 von insgesamt 640 Abiturient:innen gaben knapp 43 Prozent an, sich vorstellen zu können, als Content Creator zu arbeiten.

Im EU-Vergleich steht Deutschland in Sachen Creator Economy mit einem Marktvolumen von rund 7,7 Milliarden Euro sogar an der Spitze, knapp vor dem Vereinigten Königreich und Frankreich. Wie groß dieser Markt ist, zeigt sich auch daran, dass mittlerweile mehr Geld in Influencer-Placements fließt als in klassische Radiowerbung. 

Auch wenn heute das Unternehmertum ein großer Aspekt ist, bringen viele Creators inzwischen auch exklusive Formate oder eigene Produkte auf den Markt. Dennoch ist das, womit alles anfing, immer noch zentral: Die Follower:innen, die Zuschauerschaft, die sich im Laufe der Jahre zur Community gewandelt hat. 

Dieser Trend hat sich drastisch verstärkt. Weg von perfekt kuratierten Online-Identitäten will die junge Generation heute authentisch sein, sich mit Gleichgesinnten umgeben und legt immer mehr Wert auf Sicherheit und Privatsphäre. Sie versammeln sich um sogenannte „Digital Campfires“ – in geschlossenen, kleineren Räumen mit mehr Interaktion, wie etwa auf Discord oder in geschlossenen Community-Gruppen.

Millennials und die Gen Z stellen heute den Großteil der Content Creators. Sie schätzen die flexiblen Arbeitszeiten, die kreative Kontrolle und die Möglichkeit, ihr eigener Chef zu sein. Und auch die Gen Alpha wächst im Content-Bereich heran.

Creator-Content ist vielfältiger und tiefgründiger

Creator Content nimmt längst die unterschiedlichsten Formate an. Die Charts auf YouTube und TikTok werden zwar noch viel von Unterhaltung dominiert, aber Bildung und Nischen-Themen haben massiv aufgeholt.

Younes Zarou ist mit über 57 Millionen Follower:innen (Stand Mitte 2026) Deutschlands erfolgreichster TikToker. Seine Videos drehen sich um visuelle Effekte und optische Täuschungen, ergänzt durch beliebte Behind-the-Scenes-Tutorials.

Im journalistischen und informativen Bereich finden sich ebenfalls extrem hochwertig produzierte Inhalte. In ihrem Podcast „Herstory“ berichtet die Journalistin Jasmin Lörchner beispielsweise über „starke Frauen der Geschichte“ und gibt Frauen eine Bühne, die bis heute zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. Für mehr Diversität und politisches Verständnis setzt sich der Münchner Maxi Pichlmeier auf seinem Kanal ein, wo er humorig, aber hintergründig über LGBTQI+- und Politik-Themen berichtet.

Das Phänomen „BookTok“ beweist zudem, welche reale Wirtschaftskraft Creators haben: Die Community hat den weltweiten Buchhandel revolutioniert. Allein im Jahr 2025 wurden durch den Einfluss von BookTok in Europa Millionen physischer Bücher verkauft. Dahinter stecken unzählige leidenschaftliche Leser:innen, die authentische Kurzrezensionen veröffentlichen. 

Und auch Autor:innen zeigen auf TikTok Gesicht. Was hinter der „WriterTok“-Bewegung steckt kannst du in unserem Netzwerkwissen zum Thema nachlesen.

Es muss sich dabei nicht immer um Kanäle mit einem Millionenpublikum handeln. Oft sind es fokussierte Nischen, in denen Creators ihre Community begeistern. Die Bandbreite an Plattformen ist riesig: Auf Wattpad werden Bücher geschrieben, auf Twitch wird live gestreamt. Der Treiber dahinter ist meist gleich: Leidenschaft. Nicht ohne Grund sprach man anfangs oft auch von der „Passion Economy“.

Auch in den Arbeitsalltag der Creators hat KI Einzug gefunden. Die Kreativität hinter dem Content kann zwar auch hier nicht von KI ersetzt werden, aber Hintergrundprozesse, wie Planung, Recherche oder Copywriting, übernehmen. Ein weiterer Aspekt sind virtuelle Avatare, also KI-generierte Personas, durch die man nicht mehr unbedingt echte Menschen braucht, um Content zu erstellen. Für Creators könnte das eine Bedrohung für deren Existenz sein. Adam Mosseri, CEO von Instagram, vertritt in einem Artikel des Business Insider jedoch eine andere Sichtweise: „In einer Welt, in der es synthetische Inhalte im Überfluss gibt, werden die Menschen nach meiner Überzeugung eher wieder Kreativität, Authentizität und echte Menschen suchen – und nicht weniger.”

Die Zukunft von KI in der Creator Economy - Grafik
Anwendungsfelder von Künstlicher Intelligenz in der Creator Economy, eigene Darstellung nach Creator Economy Report 2026

Wie verdienen Creatfluencers Geld?

Die Creator Economy hat sich zu einer milliardenschweren Industrie professionalisiert. Creators sind dabei weit mehr als klassische Influencer:innen. Der aktuelle Trend (Stand 2026) geht stark in Richtung „Ownership“: Creators wollen nicht mehr nur von Algorithmen und Ad-Revenue abhängig sein, sondern diversifizieren ihre Einkommensströme.

Einkommensquellen und Monetarisierungsstrategien in der Creator Economy 2026, eigene Darstellung nach Circle’s Community Trends Report 2026
Creatfluencers: Income Streams
Creatfluencers: Income Streams | Quelle: Studie „New Creator Manifesto”

Ein Paradebeispiel für diese Professionalisierung ist Ryan Kaji. Bereits als Kind wurde er auf dem Kanal „Ryan’s World“ beim Spielen berühmt. Heute, als Teenager, hat sein Kanal über 40 Millionen Abonnent:innen. Aus den YouTube-Videos ist längst ein eigenes Imperium entstanden, das weltweit Spielzeug, Kleidung und Markenartikel vertreibt.

Doch das System hat Schattenseiten. Die großen Tech-Unternehmen behalten einen großen Teil des Kuchens für sich, laut DWDL bleiben rund 63 Prozent der Einnahmen bei den Plattformen – bei den Content-Schaffenden kommen vor Steuern im Schnitt etwa 33 Prozent an. Dadurch steigt der  Druck auf die Kreativen  enorm. Viele Creators klagen über Burnout, fühlen sich überarbeitet und unterbezahlt. Eine Änderung am Algorithmus der Netzwerke kann für sie den Ruin bedeuten, wenn Inhalte plötzlich keine Sichtbarkeit mehr erzielen.

Createfluencers: The New Creator Manifesto
The New Creator Manifesto | Quelle: Studie „New Creator Manifesto”

Genau deshalb gründen Content Creators vermehrt eigene Unternehmen. Neben Werbeeinnahmen werden Dienste, bei denen sich Kreative direkt durch ihre Community unterstützen lassen können (per Spende oder Dauerabonnement), zur unverzichtbaren, unabhängigen Basis.

Creatfluencers: Creators as businesses
Creators as businesses | Quelle: Studie zur Creator Economy von Signalfire

Chancen für den Medienstandort Bayern

Die Möglichkeiten für Medienschaffende sind endlos. Sie können sich von den vielfältigen Inhalten inspirieren lassen, selbst kreativ werden oder strategisch mit Creators kooperieren. Ein herausragendes Beispiel aus Bayern ist das Münchner Animations-Studio „Kurzgesagt“. Ihr englischsprachiger YouTube-Hauptkanal erreicht im Jahr 2026 über 25 Millionen Abonnent:innen und beweist, wie fundierte Wissensvermittlung global erfolgreich sein kann.

Ein weiterer, wenn auch kontrovers diskutierter Content-Erfolg war der Instagram-Account @ichbinsophiescholl von SWR und BR, der Geschichte auf Social Media erlebbar machte.

Nachmachen allein macht aber nicht erfolgreich. Die Creator Economy des Jahres 2026 zeigt deutlich, wie es geht: Finde Deine Nische, mach Leidenschaft spürbar, mache Dich unabhängig von reinen Plattform-Algorithmen und baue Dir ein treues, echtes Netzwerk auf.

Weitere inspirierende Content-Formate findest du hier: Storytelling für Gen Z: Acht Best Cases

Aktuelle Zahlen und Studien zur Creator Economy

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Porträt von Giulia Neumeyer (Ende 20) mit langen, hellbraunen Haaren und grünen Augen, die frontal und offen lächelnd in die Kamera blickt. Sie trägt eine filigrane Halskette, kleine Ohrringe, ein weißes T-Shirt und eine dunkelblaue Jacke vor einem hellblauen Hintergrund. Credit Laura Schwarz
Giulia Neumeyer
Kommunikation & Marketing, MedienNetzwerk Bayern & KI-Kompetenzzentrum Medien | Journalistin

Seit 2025 arbeitet und schreibt Giulia Neumeyer beim MedienNetzwerk Bayern über die Themen, die die Medienbranche bewegen. Ihr Steckenpferd: Entwicklungen in Journalismus, künstlicher Intelligenz und sozialen Medien. Mit einem Blick für praktische Lösungen und dem Fokus auf dem Menschen, gibt die Journalistin Personen aus der Branche eine Stimme und übersetzt komplexe Hypes in echten Mehrwert für den Redaktionsalltag.

Porträt von Gina Franz (Mitte 20) mit schulterlangen, braunen Haaren und braunen Augen, die frontal und offen lächelnd in die Kamera blickt. Sie trägt ein dunkelblaues Sakko vor einem hellblauen Hintergrund.
Gina Franz
Werkstudentin Kommunikation & Marketing, MedienNetzwerk Bayern

Gina Franz ist Werkstudentin beim MedienNetzwerk Bayern und beleuchtet in ihren Texten den Wandel der Medienbranche. Durch die Verbindung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse aus ihrem Studium mit aktuellen Branchentrends vermittelt sie in ihren Beiträgen fundierte, prägnante Orientierungshilfen für Medienschaffende.