Header zum INterview mit Sophie Grützner-Hajek (InStyle)

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„Menschen vertrauen Menschen, nicht Algorithmen“

Warum greift ausgerechnet eine digital aufgewachsene Generation wieder ganz bewusst zum gedruckten Modemagazin? In einer von Social-Media-Feeds und KI-Content übersättigten Welt suchen junge Menschen zunehmend nach verlässlicher Kuration, echter Expertise und digitaler Entschleunigung. Für Sophie Grützner-Hajek, Chefredakteurin der InStyle, steht deshalb fest: Menschliche Haltung bleibt der entscheidende Faktor, der sich nicht von Algorithmen ersetzen lässt – ein Thema, über das wir nach ihrem Auftritt bei MEDIA meets FASHION gesprochen haben.

Die neue Rolle der Modemagazine im Social-Media-Zeitalter

Sophie, mit der InStyle Gen Z beweist ihr gerade sehr eindrucksvoll, dass ein haptisches Printmagazin auch bei einer völlig digitalisierten Zielgruppe extrem gut funktioniert. Warum greifen junge Menschen heute wieder ganz bewusst zum gedruckten Heft?

Sophie Grützner-Hajek: In einer Zeit von KI-generierten Inhalten und digitalen Desinformationen bietet ein Printheft etwas zutiefst Wertvolles: Verlässlichkeit. Vertrauen. Echte Expertise. Die InStyle Gen Z wird von einer Redaktion aus gelernten Journalistinnen und Journalisten gemacht – jede Seite ist das Ergebnis von Recherche, Einordnung und redaktioneller Verantwortung.

Das ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern ein echtes Qualitätsmerkmal.

Sophie Grützner-Hajek, Chefredakteurin der InStyle und InStyle Gen Z

Dazu kommt das Haptische: Ein Magazin schafft Entschleunigung und einen Moment bewusster Aufmerksamkeit – etwas, das eine permanent online lebende Generation aktiv sucht. Und die Exklusivität dessen, was im Heft steht, gibt ihm einen Wert, den kein algorithmischer Feed ersetzen kann.

Einordnen und Kuratieren statt reiner Trend-Abbildung

Mode wird heute von Communities auf Social Media fast in Echtzeit mitgestaltet. Wie hat sich die Rolle eines großen Modemagazins wie der InStyle dadurch verändert?

Grützner-Hajek: Social Media hat die Modewelt demokratisiert – und das ist gut so. Trends entstehen heute nicht mehr ausschließlich auf den Laufstegen von Paris oder Mailand, sondern auch in den Feeds von Millionen Menschen weltweit. Doch gerade in dieser Geschwindigkeit und Fülle liegt eine neue Herausforderung: Wer ordnet ein? Wer bewertet? Wer hilft dabei, aus dem Rauschen das Relevante herauszufiltern?

Genau hier liegt die Rolle der InStyle. In über 25 Jahren haben wir uns als eine der verlässlichsten Instanzen im deutschen Modemarkt etabliert. Nicht weil wir Trends einfach nur abbilden, sondern weil wir sie kuratieren, einordnen und mit echtem Mehrwert versehen: mit Stylingtipps, Kontextwissen und der Perspektive von Menschen, die Mode wirklich verstehen.

Zudem haben wir über Jahrzehnte eine Vertrauensbeziehung  zu Top-Designern, Stilprofis und Kreativköpfen von Berlin über Paris bis Hollywood, die uns exklusiv Einblicke und Prognosen geben, die man anderswo schlicht nicht bekommt, aufgebaut.

Wir bei InStyle sind für unsere Leser:innen Trusted Voices – das Ergebnis von 25+ Jahren Glaubwürdigkeit und Kontinuität.

Sophie Grützner-Hajek, Chefredakteurin der InStyle und InStyle Gen Z

Und das Schönste daran? Dieser Anspruch wirkt bis heute ganz konkret: Seiten wie unser Styleguide werden noch immer ausgerissen und mit in die Läden genommen. Das ist für uns das ehrlichste Kompliment – und der beste Beweis, dass echte Expertise in einer Welt voller schneller Meinungen wertvoller ist denn je.

Warum echte Haltung nicht generierbar ist

Wenn Du an die Zukunft des Storytellings von Mode denkst: Was ist die wichtigste Zutat, die eine Fashion-Marke oder ein Medium im Jahr 2026 braucht, um aus der Masse an Content positiv herauszustechen?

Grützner-Hajek: Die wichtigste Zutat lässt sich nicht generieren: echte menschliche Perspektive. KI kann Trends benennen, Texte schreiben, Outfits zusammenstellen. Aber sie kann keine Haltung haben. Keine Meinung. Keine Geschichte erzählen, der man wirklich glaubt. Deshalb werden die Gesichter hinter einer Marke 2026 zum entscheidenden Unterschied.

Menschen vertrauen Menschen, nicht Algorithmen.

Sophie Grützner-Hajek, Chefredakteurin der InStyle und InStyle Gen Z

Für uns bedeutet das: Unser größtes Asset ist unser Team. Redakteurinnen und Stilexpertinnen, die seit Jahren wissen, was auf dem Laufsteg funktioniert und was davon im Alltag trägt. Die kurzlebige Trends von denen mit Gewicht unterscheiden können. Die ihre Leserschaft genau kennen und das Heft zugeschneidert auf sie konzipieren. Diese Expertise hat ein Gesicht – und genau das ist in Zeiten von KI-Content wertvoller denn je.

Autor:innen

Geschrieben von

Porträt von Giulia Neumeyer
Giulia Neumeyer
Kommunikation & Marketing @ MedienNetzwerk Bayern & KI-Kompetenzzentrum Medien | Journalistin

Seit 2025 arbeitet und schreibt Giulia Neumeyer beim MedienNetzwerk Bayern über die Themen, die die Medienbranche bewegen. Ihr Steckenpferd: Entwicklungen in Journalismus, künstlicher Intelligenz und sozialen Medien. Mit einem Blick für praktische Lösungen und dem Fokus auf dem Menschen, gibt die Journalistin Personen aus der Branche eine Stimme und übersetzt komplexe Hypes in echten Mehrwert für den Redaktionsalltag.