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SXSW 2024: Die Zukunft von Twitch

Authentizität vs. KI: Was die Videostreaming-Plattform Twitch so besonders macht

Von Pauline Herrle & Ann-Cathrin Schürholz, 04. April 2024

TheSushiDragon, Mizkif und ExtraEmily – wer gerne auf der Livestreaming-Plattform Twitch unterwegs ist, dem sind diese drei Namen wahrscheinlich geläufig. Es handelt sich um drei der erfolgreichsten Streamer:innen. Auf dem Tech- und Kulturfestival SXSW in Austin, Texas, diskutierten sie in einem Panel mit Twitch-CEO Dan Clancy über die Möglichkeiten und Zukunft der Streaming-Plattform in einer Welt, die immer mehr auf kurze Videos ausgerichtet ist.

YouTube, Instagram, Facebook und vor allem TikTok – all diese Plattformen bieten mittlerweile Platz für Inhalte von Video-Creator:innen. Twitch hingegen war von Anfang an nur für diese Zielgruppe ausgelegt. Was also macht die Plattform so einzigartig? Laut Dan Clancy geht es bei anderen Social-Media-Plattformen primär darum, Menschen für einen kurzen Moment zu unterhalten. „It’s just about swiping“, so der CEO von Twitch. Twitch hingegen verfolge ein anderes Ziel: Community Growing. Clancy nennt das auch „Community-centered Livestreaming“. 

Twitch: Nahbarkeit ist Trumpf

Auch wenn man Twitch wahrscheinlich eher mit Gaming-Livestreams in Verbindung bringt, ist die Plattform heute dazu da, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen und eine Art Netzwerk aufzubauen, in dem alle die gleichen Interessen haben. „Twitch is about everybody“, beschreibt der Streamer Mizkif die Plattform.

Streaming dreht sich um das Persönliche – um die Person dahinter.

Mizkif, Twitch-Streamer

Den Zuschauer:innen der Livestreams gehe es darum, Fortschritt und Entwicklung bei den Streamer:innen zu sehen. Es sei weniger der Inhalt, den das Publikum immer wieder zum Teilnehmen am Livestream veranlasse, sondern die Person dahinter. „Hier bekommen Content-Creator:innen Namen und ein Gesicht – sie werden zu Bezugspersonen”, so Clancy, der selbst hin und wieder streamt. Dies stehe in klarem Gegensatz zu Social-Media-Plattformen wie TikTok und Instagram, wo Videoinhalte nur ein paar Sekunden angesehen und dann vergessen würden.

Doch wie steht es um die Zukunft einer Livestreaming-Plattform, die darauf ausgelegt ist, dass sich Menschen stundenlang auf nur ein Video konzentrieren? Wie funktioniert das in einer Zeit, in der die Aufmerksamkeitsspanne erheblich sinkt und Social-Media-Plattformen mit Short Videos boomen?

Uneinigkeit über die Zukunft der Livestreaming-Plattform

TheSushiDragon sieht den Trend zu kurzen Videos auch auf Twitch zukommen. Er spricht von sogenannten Micro Productions: Traditionelle Videos in etwas zu verpacken, das sich Menschen in weniger als einer Minute ansehen können. Dabei könne vor allem KI eingesetzt werden, um stundenlange Videostreams in Short Videos zu verpacken.

Viele Social-Media-Plattformen versuchen heute alles auf einmal zu sein – das kann nicht funktionieren.

Dan Clancy, CEO Twitch

Mizkif hingegen sieht diese Entwicklung in der Videostreaming-Branche nicht: „Streaming dreht sich um das Persönliche – um die Person dahinter.” So gehe es den Menschen, die aktiv Streams beitreten, nicht darum, in möglichst kurzer Zeit unterhalten zu werden, sondern um den Austausch mit den Streamer:innen ihrer Wahl. 

KI kann als Content Creators für Social Media unterstützen

Gerade in der heutigen Zeit, in der KI im Bereich Bildbearbeitung und -erstellung immer versierter wird und Nutzer:innen von Social-Media-Plattformen wie TikTok und Instagram damit zu kämpfen haben, Echtes von Fake zu unterscheiden, sei Twitch einfach authentisch. Und das sei es, was die Zuschauer:innen sehen wollen, so Mizkif. „Das haben sich die Social-Media-Plattformen mittlerweile von uns abgeschaut. Es gibt keine Plattform mehr, die nicht auch die Möglichkeit eines Livestreams anbietet”, so Mizkif.

KI könnte eine Unterstützung zur Rekrutierung von Zuschauer:innen sein.

TheSushiDragon, Twitch-Streamer

Deshalb glauben die drei Vertreter:innen der Twitch-Plattform auch nicht daran, dass KI sie jemals durch Virtual Reality oder Augmented Reality ersetzen, geschweige denn ein Teil des Streams werden könnte. Sie sehen die KI eher auf der anderen Seite, bei den Zuschauer:innen. „KI könnte eine Unterstützung zur Rekrutierung von Zuschauer:innen sein”, so TheSushiDragon. Sie würde eine KI gut finden, die Video-Material aus ihren Livestreams nutzt, um ihre Social-Media-Kanäle mit Inhalten zu bespielen und so Reichweite und neue Zuschauer:innen für ihren Stream zu aggregieren.

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