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Netzwerkwissen: Wanderlust Media

Von Magnus Gebauer

„Wanderlust“ ist ein Begriff, der in die aktuelle Zeit passt. Die nicht endenden Monate im (Teil-)Lockdown und die Reisebeschränkungen schüren Fernweh und die Sehnsucht nach Abenteuern. Doch das Reisen, wie wir es bisher kannten, wird sich deutlich verändern und könnte nach der Pandemie-Zeit in Teilen unerschwinglich sein. Verbraucher:innen suchen bereits jetzt nach Möglichkeiten, anders zu „reisen“ und neue wie fremde Erfahrungen in das alltägliche Leben zu integrieren. Innovative Medien-Angebote setzen genau bei diesem Bedürfnis an. 

Üblicherweise kommen einem bei virtuellen Reiseerlebnissen, VR-Headsets und 360-Grad-Videos in den Sinn. Doch auch andere Medienformate bieten interessante Möglichkeiten.

Virtuelle Autofahrten mit lokalen Radioerlebnissen

Ein Format, das audiovisuell gegen Fernweh wirkt, heißt „Drive and Listen“. Das Prinzip ist simpel: Fahre in simulierten Taxifahrten durch ferne Städte und höre dabei die lokal ansässigen Radiostationen.

„Drive & Listen“ ermöglicht automobile Spritztouren durch Städte auf der ganzen Welt – egal ob New York, Rio oder Tokyo oder doch lieber das idyllische Lauterbrunnen in der Schweiz. Die Möglichkeit, jeweils aus verschiedenen lokalen Radiostationen zu wählen, rundet das virtuelle Reiseerlebnis ab. Auf Instagram hat „Drive & Listen“ bereits über 57.000 Follower. Entwickelt wurde die Anwendung von Erkam Seker, der derzeit an der TU München seinen Master absolviert. Ganz neu ist das Prinzip allerdings nicht. Die mittlerweile als Fernseh-Klassiker geltende ARD-Serie „Die schönsten Bahnstrecken Deutschlands“ ging bereits 1995 an den Start – und erfreut bis heute nicht nur Lokomotivführer:innen.

Livestream-Video-Shopping schafft neue Einnahmequellen

Interaktiver geht es beim Livestream-Video-Shopping zu, das nun auch den Weg in die Tourismusbranche findet. Ein Megatrend, der aus China und den USA kommt und immer mehr Fans in Europa findet. Das schwedische Startup Local Purse bietet in Kooperation mit Reiseanbieter „Intrepid Travel“ Live-Video-Shopping-Experiences an. So lassen sich geführte Liveshopping-Touren wie die „Costa Rican Artisan Coffee Experience“ oder die „Traditional Berber Rug Experience“ kostenpflichtig buchen.

Bei den vor Ort von Reiseführern begleiteten virtuellen Einkaufstouren durch Kaffeeplantagen, Gewürzmärkte oder Kunsthandwerkerviertel können Produkte von regionalen Anbietern direkt im Stream gekauft werden. Die Produkte werden den Käufer:innen im Anschluss zugestellt. Hintergrund ist, dass durch die Stornierung von Reisen im Zuge der Covid-19-Pandemie lokale, vom Tourismus abhängige Anbieter ihre Einnahmequelle verloren haben. Das interaktive, videobasierte Livestreaming schafft ein immersives virtuelles Reiseerlebnis, das auch aus Umweltaspekten eine vielversprechende Alternative darstellt.

Virtual Voice Tour schafft interaktive Reiseerlebnisse für die Ohren

Es geht allerdings auch ganz ohne Bewegtbild. Die weltgrößte Reiseplattform Tripadvisor hat gemeinsam mit dem Tourismusministerium von Abu Dhabi die erste virtuelle Voice Tour für Amazon Alexa Kund:innen in UK entwickelt. Per Sprache werden Nutzer:innen durch Abu Dhabi geführt und können Reiseziele mithilfe des Alexa-Skills interaktiv erkunden. Inhaltlich passt sich das Reiseerlebnis an die Interessen der Nutzer:innen an und basiert auf Tripadvisor-Daten früherer Reisender. Damit kombiniert die Anwendung geschickt die Möglichkeiten der Sprachsteuerung mit den Reizen von „Choose your Own Adventure“-Erlebnissen im Tourismus-Kontext – und das Ganze Corona-konform, ohne die eigenen vier Wände verlassen zu müssen.

Interaktive Website schafft kulinarische Erlebnisreise 

Der Internetgigant Google setzt auf ein gänzlich virtuelles Erlebnis und hat zu diesem Zweck eine interaktive Website gelauncht, die eine webbasierte Reise zu japanischen Spezialitäten ermöglicht. „Umami Land“ soll in Zeiten von Reisebeschränkungen die Möglichkeit bieten, die landestypische Küche Japans kennenzulernen und diese genauer zu erkunden. Die als virtueller Themenpark aufgebaute Website vermittelt Informationen zu den vielfältigen Spezialitäten und sorgt durch die Integration von vielen kleinen Gamification-Ansätzen für ein kurzweiliges Reiseerlebnis.  

Umami Land

Bayern für dahoam virtuelle Wochenendtrips

Auch in der bayerischen Tourismus-Branche gibt es erste Ansätze für die innovativen Reise-Erlebnisse. So hat die Bayern Tourismus Marketing GmbH mediale Angebote gegen das Fernweh geschaffen. Unter dem Motto „Bayern für dahoam“ konnten Nutzer:innen im November 2020 in einem virtuellen Wochenendtrip kanalübergreifend auf Instagram, Facebook und YouTube in Live-Schalten und Videos durch den Freistaat reisen und selbst aktiv werden: Zum Beispiel bei Mal- oder Kochkursen. 

Virtuelles Reisen ist kein neues Phänomen. Doch die Möglichkeiten, die sich durch neue mediale Formate und Angebote ergeben, schaffen ein attraktiveres Erlebnis. Schon zu Beginn der Corona-Pandemie haben diverse Tourismusdestinationen mit den medialen Erlebnismöglichkeiten gespielt.

Bedeutung für die Medienbranche in Bayern

Virtuelle Reiseangebote lassen sich medial auf unterschiedliche Art umsetzen. Die oben aufgezeigten Formate machen deutlich, dass es nicht unbedingt immer Virtual Reality sein muss. Auch Formate wie Livestream-Video-Shopping, Sprachassistenten oder die Kombination aus Lokalradio und Videoelementen lassen sich einsetzen, um ein reizvolles virtuelles Reiseerlebnis zu erschaffen. 

Dabei bieten virtuelle Reisen auch über die Corona-Zeit hinaus interessante Möglichkeiten. Zum einen als zusätzliche Quelle zur Monetarisierung – für Medienschaffende und Tourismusanbieter – zum anderen aber auch, um neue Zielgruppen zu erreichen. Dabei geht es mittel- bis langfristig nicht darum, physisches Reisen zu ersetzen. Vielmehr lässt sich eine sinnvolle Ergänzung dazu schaffen. „Wanderlust“-Formate können zur Überbrückung auf nicht durchführbare Reisen sowie zur Vorbereitung künftiger Reisen dienen. 

Zudem zeigen aktuelle Studien, dass in den nächsten fünf Jahren Deutschland als Reiseziel weiter an Relevanz gewinnen wird. Der Staycation-Trend wird weitergehen, denn rund 50 Prozent der Befragten geben an, künftig seltener international verreisen zu wollen. Für Medienschaffene  bietet es sich daher an, sowohl virtuelle Reiseangebote für die in die Ferne schweifenden, als auch für Heimatbegeisterte zu kreieren – hierbei können sie von den vielfältigen Standortvorteilen des Tourismuslandes Bayern profitieren. 

Key Facts zur Reiselust im Jahr 2021

Aktuelle Befragungen zeigen, dass dem Reisen in diesem Jahr eine besondere Bedeutung beigemessen wird. Dass sich der Fokus dabei von internationalen Reisen hin zu Inlandstourismus verschiebt, bietet Medienschaffenden in beiderlei Hinsicht neue Möglichkeiten. 

Quellen & nützliche Links:

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