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Medientrends

Wir informieren über relevante Trends und Entwicklungen für die Medienbranche.

Medientrends

Prozesse & Entwicklungen

Newsletter statt Newspaper
Hybride Events
Podcast Standards
New Experiential Marketing
Self-Publishing
Green Media Actions

Newsletter: Vom Low-Tech-Medium zum Next Big Thing?

Newsletter bieten viel Raum für neue redaktionelle Ansätze und Differenzierung. Das Format wird dadurch nicht nur für Leser:innen immer interessanter, sondern schafft auch neue Chancen zur Monetarisierung. 

 

Newsletter: Vom Low-Tech-Medium zum Next Big Thing?

Längst gibt es nicht mehr nur die zwei bekannten Newsletter-Geschäftsmodelle „werbefinanziert” und „Paid Subscriptions”. Im Gegenteil: Unternehmen wie die US-amerikanische Newsletter-Software-Firma Substack treiben den Newsletter-Trend maßgeblich mit neuen Modellen voran. Substack bietet eine fertige Infrastruktur inklusive Support für Autor:innen von unabhängigen Newslettern. Diese können von Leser:innen auf der Plattform abonniert werden, ähnlich wie bei einem Publisher. Die Geschäftsidee dahinter: Bei zahlungspflichtigen Angeboten behält Substack einen Anteil von zehn Prozent.

Diese bayerischen Unternehmen setzen auf den Newsletter-Trend 

Die in München ansässige Looping Group veröffentlicht seit Anfang 2020 mit Ping! ihren eigenen Newsletter. Schwerpunkte sind „Sinn und Verstand in der redaktionellen Gesellschaft“. Die Ausgaben erscheinen immer dann, wenn ein interessantes Thema vorliegt – ein neuer Ansatz, um unabhängige journalistische Inhalte in Form eines Newsletters mit Markenbildung zu verbinden.

Mehr zum Thema Paid Content gibt’s in unserem Netzwerkwissen.

Hybride Events in der Verlagsbranche: Neue Formatideen

Während die Zahl der Buchkäufe tendenziell sinkt, steigt die Zahl an Lesungen und Festivals. Dahinter steckt das wachsende Bedürfnis der Literaturfans, die Verfasser:innen hinter den Werken kennenzulernen. 

Auch für die Autor:innen haben sich Lesetouren als wichtiges Tool zur Selbstvermarktung und lohnende Einnahmequelle erwiesen. Da sie jedoch mit Beginn der Corona-Krise schlagartig weggefallen oder zu Kleinstveranstaltungen geschrumpft sind, mussten neue Formatideen her. 

Projekte aus der bayerischen Medienbranche

Gerade hybride Formate bieten die Möglichkeit, die Vorzüge der analogen und digitalen Welt zusammenzubringen und für eine gewisse Planungssicherheit zu sorgen. Dass dabei keinerlei Grenzen gesetzt sind, zeigte zum Beispiel das bayerische Kult-Autoren-Duo Volker Klüpfel und Michael Kobr eindrücklich. Sie führten ihre Lesungen zum neuen Werk unter anderem in Autokinos durch und griffen damit auf das Trendthema „Drive-Thru-Marketing“ zurück.

Quelle: Allgäuer Zeitung – Lesungen trotz Corona

Der in München ansässige Verlag &Töchter passte hingegen seine innovative Veranstaltungsreihe rauschen&Töchter an die digitale Welt an. Normalerweise fand die Reihe an ungewöhnlichen Orten wie einem Boxstudio statt, nun gibt es Instagram Sessions aus den Wohnzimmern der Autor:innen.

Podcast-Standards für den kommerziellen Erfolg

Dass Podcasts boomen, ist unbestreitbar. Der große kommerzielle Erfolg hängt allerdings von geeigneten Vermarktungswegen und einheitlichen Branchenstandards ab. Als dezentral organisiertes Independent-Medium mit vielen Playern ist es für die Branche schwer, sich auf verlässliche Podcast-Standards zu einigen beziehungsweise diese umzusetzen. Hier müssen Lösungen her, um die Gattung Podcast im Media-Mainstream weiter zu etablieren.

Fehlende Standards und Metriken

Fehlende Podcast-Standards und -Metriken

Weltweit investieren große Medienunternehmen in Podcast-Angebote – allen voran die führenden Streaming-Plattformen. 2019 lagen die Werbeumsätze bei 885 Mio. US-Dollar weltweit. 2022 werden Umsätze von 1,6 Mrd. US-Dollar prognostiziert. Bei solchen Summen sind einheitliche Standards umso relevanter.

Mehr zum Podcast-Trend liest du in unserem Netzwerkwissen Podcast goes interactive.

Erlebnismarketing im virtuellen Raum

Erlebnismarketing hat sich in den vergangenen Jahren als sehr effektiv erwiesen. Denn: Durch direkte Einbindung erleben Kund:innen eine Marke real, sie verharren nicht im passiven Beobachtungsmodus. Immer mehr Marken investieren daher in das Kundenerlebnis als Marketingkanal – egal ob mit Pop-Up Stores, einzigartigen Kundenevents oder Erlebniskampagnen wie Kletterwänden in Stores.

Erlebnismarketing ist gefragt
Quelle: IfD Allensbach (2020), Basis: Deutschsprachige Bevölkerung ab 14 Jahre

In Zeiten von sozialer Distanzierung litt Erlebnismarketing jedoch stark. Für Unternehmen öffnete das verstärkt den virtuellen Raum: Wie lässt sich das Markenerlebnis mit neuen Ansätzen in die virtuelle Welt übersetzen?

Experimentiert wird beispielsweise mit VR und AR Store Experiences. Burberry launchte etwa das Animal Kingdom Snap Game, um die weltweite Einführung ihrer Pop-Up Stores zu unterstützen und ging dafür eine Partnerschaft mit Snapchat ein. Die US-amerikanische Kette ULTA Beauty baute in Zusammenarbeit mit der E-Commerce-Plattform Obsess einen virtuellen Online Store auf.

Der FC Bayern München veröffentlichte die „FC Bayern VR Experience“: Fans können so in die virtuelle Welt des Fußballklubs eintauchen und Atmosphäre, Geschichte und Orte im Stadion hautnah miterleben. 

Markenerlebnisse im Auto

Auch Drive-Thru-Marketing liegt derzeit im Trend: Einzigartige Erlebnisse werden auf das Auto zugeschnitten. Beim Impossible Food Car Wash werden Autofahrer:innen beispielsweise während des Autowaschens mit fleischlosen Burgern versorgt. HBO feierte die Premiere des Films Unpregnant mit einem Drive-Thru-Event – inklusive rotem Teppich und nachgebauten Produktionskulissen.

Self-Publishing: Professionalisierung und Vernetzung

Die dynamischen Entwicklungen im Self-Publishing stoßen auf eine krisenbedingt verstärkt im digitalen Raum funktionierende Verlags- und Buchwelt. In den vergangenen Jahren ist die Anzahl der Eigenverlage stetig gestiegen. Auch etablierte Autor:innen gehen inzwischen dazu über, ihre Bücher nicht mehr über den klassischen Weg zu veröffentlichen.

Exponentielles Wachstum von Self-Publishing
Quelle: Statista Exponentielles Wachstum von Self-Publishing

Self-Publishing bietet niedrige Einstiegshürden

Der Trend geht also eindeutig hin zum Self-Publishing. Das liegt unter anderem daran, dass die Eigenvermarktung über Social Media und Print-On-Demand-Angebote vergleichsweise niedrige Einstiegshürden bei überschaubaren Kosten bietet. Zusätzlich befindet sich die Branche durch Corona auf dem Wachstumskurs. Der größte deutsche Dienstleister für Self-Publisher:innen, BoD, erlebte im ersten Halbjahr 2020 ein riesiges Wachstum. Allein im Mai 2020 stieg die Anzahl der Neuveröffentlichungen um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. 

Derzeit erlebt der Self-Publishing-Markt in Deutschland außerdem sichtbare Veränderungen durch die Professionalisierung der Werke und die gezielte Vernetzungsarbeit bei der Erstellung. Gerade neue, junge Self-Publisher:innen setzen auf die Vernetzung innerhalb der Branche und die Vorteile einer eigenen Community. Sie folgen dabei dem medienübergreifenden Trend hin zu „Human Media Brands“.

Mit grünem Content zu mehr Nachhaltigkeit?

Das Thema Nachhaltigkeit ist so relevant wie nie. Immer mehr Konsument:innen fordern Unternehmen dazu auf, Verantwortung zu übernehmen. Viele Medienunternehmen haben dies erkannt und Nachhaltigkeit weit oben auf ihre Agenda gesetzt. In den vergangenen Jahren lag der Fokus jedoch fast ausschließlich auf der Berichterstattung zu Nachhaltigkeit und grünen Themen.

Green Media beeinflusst die Unternehmensausrichtung 

Nun verschiebt sich der Fokus zunehmend auf die nachhaltige Ausrichtung der Unternehmen – und zwar von der Produktion bis hin zur Distribution, woraus neue Produkte und Geschäftsmodelle entstehen. Viele nationale und internationale Verlags- und Medienhäuser haben vollständige Klimaneutralität bis 2030 angekündigt. Die deutsche Agenturgruppe Serviceplan mit Sitz in München ist eigenen Angaben zufolge bereits jetzt klimaneutral. 

Doch auch über den operativen Betrieb hinaus bietet Green Media viele Ansatzpunkte, wie folgende Beispiele zeigen:

  • Produktion: Vogue Italia setzte in der ersten Ausgabe 2021 ausschließlich auf Illustrationen, da Produktionen und Shootings oftmals sehr aufwendig und klimaschädlich sind.
  • Content: Grüne Content-Formate sind seit vielen Jahren fest etabliert. Das zeigt beispielsweise Green Seven, ein Fernsehprogramm des bayerischen TV-Konzerns ProSiebenSat.1.
  • Distribution: Das Münchner Medienunternehmen Condé Nast setzt im Rahmen seiner Umweltinitiative auf die Reduktion und den Verzicht von Plastikverpackungen.
  • Werbung: Neue Ansätze zu nachhaltiger Mediaplanung wie bei Planet4Media sind ein wichtiges Thema innerhalb der Agenturbranche. Auch Werbeboykotts (Guardian) bleiben relevant.
  • Geschäftsmodelle: Beim grünen Paid-Content-Geschäftsmodell ze.tt gr.een, das eingestellt wurde, standen Nachhaltigkeit und Member im Mittelpunkt. Nachhaltigkeit sollte zu einem partizipativen Community-Modell mit positiven Klimaeffekten ausgebaut werden.
Green Media bietet diverse Ansatzpunkte

Medientrends

Mensch & Gesellschaft

SHEconomy
New Media Habits
„We“deo
Humanized Media Brands
Social Edutainment
Wanderlust Media

Sheconomy: Von der Frauenquote zum veränderten Mindset?

42 Millionen Frauen zu 41 Millionen Männern: Das ist das Geschlechterverhältnis in Deutschland. Betrachtet man jedoch die Führungspositionen in Unternehmen, sehen die Verhältnisse ganz anders aus.

Gerade im Medienbereich sind Frauen derzeit noch stark unterrepräsentiert und gliedern sich damit in den branchenübergreifenden Schnitt von rund 30 Prozent in Führungspositionen ein. Männer dominieren die Medienindustrie indem sie Führungsrollen besetzen, Themen in Redaktionssitzungen setzen, Artikel aus der männlichen Perspektive schreiben und ihre Meinung in Kommentaren kundtun. Zusätzlich wird auch häufiger über Männer berichtet.

Quelle: Pro Quote (2019): Welchen Anteil haben Frauen an der publizistischen Macht in Deutschland, Teil 2: Presse und Online-Angebote

Nun steht die Medienbranche vor einem Wandel, nicht nur hinsichtlich des generischen Maskulinums in der Sprache. „Im Digital-Shift liegt die Zukunft der Frauen“ liest man derzeit häufig. Die Corona-Krise zeigt, dass diejenigen Unternehmen profitieren, die digital, aber auch divers gut aufgestellt sind.

Corona wird auch in der Geschlechterfrage zum Game-Changer

Diese Entwicklung wird sich in Zukunft fortsetzen und weiter beschleunigen. Gerade für die neue Lebensrealität werden Kompetenzen wie Integrationsfähigkeit, gutes Geschick im Netzwerken und Kommunikationsstärke immer wichtiger – Eigenschaften, die häufig als feminin betitelt werden. Auf verschiedenen medialen Ebenen zeichnen sich deutliche Veränderungen ab – von gender-gerecht erzählten Stories über neu ausgerichtete Formate bis hin zu diversen Medienunternehmen.

Das Diversity-Thema prägt auch die Diskussionen in bayerischen Medienunternehmen. &Töchter zum Beispiel ist ein von fünf jungen Frauen gegründeter Verlag mit Sitz in München, der den Buchhandel neu denkt und mit innovativen Formaten wie dem Podcast plauschen&töchter und Diversity-Veranstaltungen vorantreibt.

Veränderte Nutzungsgewohnheiten

Die Corona-Pandemie hat das Leben der Menschen weltweit schlagartig verändert. Davon betroffen ist auch die Mediennutzung. Sowohl Intensität als auch Verhalten wandeln sich. Lockdown, Homeoffice und New Work haben dazu geführt, dass sich die etablierten Media Peaks verschieben oder stellenweise auflösen – das gilt gerade für Bürojobs. 

Die Relevanz der Drive Time und Primetime hat infolgedessen abgenommen. Arbeit, Freizeit und Mediennutzung verschwimmen zunehmend in der neuen Lebensrealität. Dadurch tun sich neue Zeitfenster und Möglichkeiten zur Nutzung von Medienangeboten auf. 

Was passiert nach der Krisenzeit?

Es ist davon auszugehen, dass die flexible Lebens- und Arbeitsrealität auch nach der Krisenzeit Bestand haben wird, mit allen Folgen für die Nutzungsmuster von Medien. Flexibilisierung und Digitalisierung der Mediennutzung führen zu neuen Möglichkeiten für Nutzer:innen und Anbieter, über den ganzen Tag hinweg. 

Quelle: GWI Coronavirus Research (2020): Series 4: Media Consumption and Sport

In-Home-Entertainment ist in den ersten Krisenmonaten zur primären Freizeitbeschäftigung geworden, daher ist ein Anstieg der Mediennutzung in allen Gattungen zu beobachten. Bewegtbild verzeichnet dabei den stärksten Anstieg. Unterschiede gibt es jedoch zwischen den verschiedenen Generationen: Bei den Jüngeren steigt die Online-Bewegtbildnutzung am stärksten, bei den Älteren profitiert das lineare TV.

Mit Wedeo zum Wir-Gefühl?

Während der Corona-Pandemie füllen Livestreams die Lücke, die durch abgesagte Veranstaltungen entstanden ist. Die Menschen sind auf der Suche nach dem verbindenden Element: Die Hälfte der Nutzer:innen von Livestreams findet Online-Interaktionen genauso real und wertvoll wie persönliche Interaktionen. Besonders beliebt sind Konzerte, Sport und Konferenzen.

Quelle: GWI Coronavirus Research (2020): Series 4: Media Consumption and Sports

Erfolgreiche Beispiele für Online-Interaktionen:

  • Angelcamp: Über 300.000 Nutzer:innen schauten 2020 live zu, wie Jens „Knossi“ Knossalla unter anderem mit Sido und weiteren prominenten Gästen drei Tage an einem See in Brandenburg campte. Spätestens „Knossis Angelcamp“, eine Liveshow im Big-Brother-Stil, katapultierte den Streamer an die Spitze des deutschen digitalen Unterhaltungsmainstreams
  • Facebook Venue: Facebook will Live-TV-Events wie Autorennen mit einer App sozialer machen. Nutzer:innen können über die Anwendung „Venue“ bei Live-Übertragungen mit Kommentator:innen interagieren. Journalist:innen oder Sportler:innen begleiten die Ereignisse online. Anders als bei Twitter werden die Posts kuratiert. Nutzer:innen können sich nur begrenzt untereinander austauschen. Elemente wie Umfragen und Gespräche bei spezifischen Ereignissen ergänzen die Kommentare der Moderator:innen. Gibt es neue interaktive Elemente auf der Site, werden die Nutzer:innen per Smartphone benachrichtigt.

Humanized Media Brands: Content, Commerce & Fandom

Diese neue Form von multimedialen Medienmarken hat die Digitalisierung vollständig adaptiert und ist auf allen relevanten Kanälen zuhause. Der Erfolg der Humanized Media Brands ist auf drei Treiber zurückzuführen: Digitalisierung, Humanisierung und Fandom. Mit der Vermenschlichung der Marke, also der Ausrichtung auf persönlichkeitsstarke Hosts, entsteht eine engere Bindung des Publikums. Durch eine geschickte Inszenierung der Hosts werden diese zum Teil zu wahren Celebrities. Dabei unterscheiden sich die Media Brands nicht nur hinsichtlich der Content-Kreation und Content-Ausspielung von traditionellen Medienhäusern, sondern insbesondere beim Thema Monetarisierung und Diversifizierung.

Die BR „News-WG“

Das Instagram-Format „News-WG“ des Bayerischen Rundfunks beweist anschaulich, wie man politisches Geschehen fundiert, verständlich und zugleich unterhaltsam in Form von plattformgerechtem Video-Content darstellen kann. So gelingt es, junge Nutzer:innen am Anfang ihrer Recherche zu erreichen und sie dann auch für weiteren Lern-Content außerhalb der jeweiligen Social-Plattformen zu gewinnen.

Quelle: BR/Markus Konvalin – Die News-WG startet jetzt auch auf YouTube

Die anhaltenden Corona-Entwicklungen werden daher zu einer steigenden Nutzung von digitalen Medienangeboten führen. Humanized Media Brands, die ihre Angebote vollständig auf digitale Plattformen wie Twitch, Instagram & Co. ausgerichtet haben, werden hiervon weiterhin profitieren. Zudem sind die auf Entertainment ausgelegten Formate der persönlichkeitsstarken Hosts eine willkommene Abwechslung auf der Suche nach Corona-Eskapismus.

Lernen mithilfe von Social-Media-Plattformen

Das Video ist der Star des Lernens. Und YouTube ist seine große Bühne – zumindest noch. Wie die Studie „JIM plus 2020: Lernen und Freizeit in der Corona-Krise“ zeigt, ist YouTube das am meisten genutzte mediale Lernangebot bei den Befragten zwischen zwölf und 19 Jahren (83 Prozent) – weit vor Wikipedia oder Wissenssendungen in TV und Mediatheken. Soziale Medien wie TikTok, Pinterest und Zigazoo werden von Jugendlichen nicht nur zur Unterhaltung genutzt, sondern auch zum Lernen – sei es für die Schule oder für das Hobby.

Quelle: MMB-Trendmonitor 2019/2020

Relevanz für die bayerische Medienlandschaft

Mit Social Edutainment finden gleich mehrere aktuelle Themen in einem Trend zusammen: Social Learning, unterhaltende Wissensvermittlung, Short-Form-Videos – und das Ganze über Social-Media-Plattformen. Mehr als die Hälfte aller Schüler:innen in Deutschland geht davon aus, dass die Bedeutung von YouTube und Webvideos für die Schule noch weiter steigen wird. Für die bayerische Lernlandschaft ist das besonders relevant. Denn mit dem Institut für digitales Lernen in Eichstätt, dem BR-Bildungsprogramm ARD-Alpha oder der Videoserie „Kurzgesagt – In a Nutshell“ verfügt Bayern über wichtige Player, die hochkarätige Lerninhalte für die digitale Welt anbieten.

In unserem Social Edutainment-Netzwerkwissen erfährst du mehr dazu.

Wanderlust: „Reisen“ dank innovativer Medienformate

Corona-bedingte Reisebeschränkungen schüren Fernweh und die Sehnsucht nach Abenteuern. Doch das Reisen, wie wir es bisher kannten, wird sich deutlich verändern und könnte nach der Pandemie-Zeit in Teilen unerschwinglich werden. Verbraucher:innen suchen bereits jetzt nach Möglichkeiten, anders zu „reisen“, und neue wie fremde Erfahrungen in das alltägliche Leben zu integrieren. Innovative Medienangebote setzen genau hier an.

Virtuell reisen funktioniert nicht nur via XR-Media

Üblicherweise kommen uns bei virtuellen Reiseerlebnissen VR-Headsets und 360-Grad-Videos in den Sinn. Doch auch andere Medienformate bieten interessante Möglichkeiten: „Drive & Listen“ simuliert beispielsweise Taxifahrten durch ferne Städte und spielt dabei die Inhalte lokal ansässiger Radiostationen.

Quelle: Screenshot „Drive & Listen“ ermöglicht automobile Spritztouren durch Städte auf der ganzen Welt.

Ebenfalls spannend: die medialen Angebote der Bayern Tourismus Marketing GmbH. Unter dem Motto „Bayern für dahoam“ konnten Nutzer:innen im November 2020 in einem virtuellen Wochenendtrip kanalübergreifend auf Instagram, Facebook und YouTube in Live-Schalten und Videos durch den Freistaat reisen und selbst aktiv werden: zum Beispiel bei Mal- oder Kochkursen.

Mehr zu dem Trend erfährst du in unserem Netzwerkwissen Wanderlust Media.

Medientrends

Technologie & Innovation

Voice Interactions
Online-Audio für KMU
Recommendation Wars
XR Media Experiences
Fake‘n’Trust
Automated Journalism
Metaverse
NFT

Mit Voice zur interaktiven und individualisierten Mediennutzung

Die Nachfrage und Nutzung von Smart Speakern und Voice-Assistenten ist stark angestiegen. Je häufiger Menschen diese Technologie nutzen, desto mehr gewöhnen sie sich an die User Experience. Neue Entwicklungen und Ansätze im Medienbereich zeigen, dass das Potenzial von Voice bei weitem nicht ausgeschöpft ist. 

Schon länger gelten Voice Assistants als „the next Big Thing“. Datenschutzbedenken, Verständigungsschwierigkeiten und fehlender Mehrwert bremsen jedoch die bisherige Marktdurchdringung. Medienunternehmen weltweit haben die Relevanz der Voice-Technologie erkannt und entwickeln neue Strategien und Anwendungen, die auf das veränderte sprachbasierte Nutzerverhalten angepasst sind. Denn Medienanwendungen stehen ganz weit oben bei den am stärksten genutzten Funktionen.

Quelle: SPLENDID Research 2019

Über alle Nutzergruppen hinweg ist ein starker Anstieg zu beobachten, besonders jedoch in den älteren Nutzergruppen, da ihnen Voice einen leichteren Zugang in die digitale Welt bietet.

Voice-Projekte schießen wie Pilze aus dem Boden

Es gibt bereits zahlreiche innovative Ansätze im medialen Kontext, die weit über die sprachbasierten Basisfunktionen hinausgehen und einen echten Mehrwert schaffen. Die britische BBC entwickelte beispielsweise einen Independent Voice Assistant, der auf dem Dienst von Microsoft Azure basiert, und die vielfältigen britischen Akzente versteht. Bahlsen testete hingegen gemeinsam mit dem Vermarkter RMS und Mediaplus Hamburg den sprachbasierten Versand von Produktproben.

Auch der Bayerische Rundfunk setzt auf Konzepte für Voice Interactions – vor allem mit interaktiven Nachrichten. Mit dem Format Deep Dive möchte der BR beispielsweise ein tieferes Einsteigen in Themenfelder oder das Überspringen von Themen mittels Sprachfunktion ermöglichen. Atomized News bieten die Möglichkeit, einzelne Snippets von verschiedenen Providern individualisiert über einen Sprachassistenten ausgespielt zu bekommen.

Hier erfährst du mehr zum Thema Audio-Trends: Podcasts, Voice Advertising und Co.

Online-Audio: Mehr Attraktivität durch neue Rahmenbedingungen

Lange Zeit galt Audiowerbung im klassischen UKW-Radio bei kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) als unattraktive Werbeform. Hohe Streuverluste und Produktionskosten waren zentrale Bedenken und sorgten für Zurückhaltung. Doch mit den neuen Online-Audio-Möglichkeiten wandelt sich das Bild zunehmend.

Quelle: BVDW Online-Audio-Umsätze in Deutschland

Die Werbeausspielung auf Streaming-Plattformen funktioniert deutlich flexibler und effektiver und ist damit nicht mehr nur auf klassische Werbeformate begrenzt. Mit dem Corporate Podcast stehen auch KMU, die auf der Suche nach innovativen Audio-Ansätzen sind, vergleichsweise neue Wege offen. Unternehmen wie GeloRevoice oder das in Eichstätt ansässige Institut für digitales Lernen sind seit geraumer Zeit mit ihren Podcast-Angeboten erfolgreich. 

Online-Audio wird auch in Zukunft weiter an Relevanz gewinnen

Zum einen spielt Corona den Audiomedien in die Karten, zum anderen sprechen steigende Werbeumsätze, ein wachsendes Podcast-Angebot, neue Plattformen und niedrige Einstiegshürden für die Fortsetzung des Trends. Da KMU tendenziell auf bodenständige und risikoärmere Aktivitäten setzen, werden sie im Online-Audio-Trend eher fündig als bei anderen Trendthemen wie dem Social Live Shopping.

Recommendation Wars: User Experience meets Algorithm Fatigue

In der digitalen Welt ist eine gewisse „Algorithm Fatigue“ spürbar, vor allem im Bereich der Streaming. Aktuelle Zahlen belegen, dass die Nutzer:innen mit den Empfehlungen der Dienste nur bedingt zufrieden sind. Große Anbieter sowie neue Player haben die Problematik erkannt und arbeiten an neuen Ansätzen, um Auswege aus dem sogenannten „Paradox of Choice“ zu finden.

Quelle: nextMedia.Hamburg (2020): newTV-Report

Netflix etwa experimentierte mit einer Shuffle-Funktion. Das US-Startup Bingie bietet via App die Möglichkeit, Freund:innen Streaming-Content von unterschiedlichen Diensten zu empfehlen. Die App soll dabei helfen, sich von Algorithmen unabhängig zu machen und den Community-Gedanken stärken.

Weg vom reinen Algorithmus-Denken

Im Wettbewerb um den besten Content und die beste User Experience werden Streamingdienste weiterhin mit neuen Features experimentieren, um sich von der Konkurrenz abzugrenzen. Es ist außerdem davon auszugehen, dass die Dienste sich wegbewegen vom reinen Algorithmus-Denken – hin zu persönlichen Empfehlungen, dem Community-Gedanken und zu Channels, die sich an lineare Formate anlehnen. 

Mehr zu Recommendation Wars gibt’s in unserem Netzwerkwissen Human Algorithm.

XR Media: Verhilft Corona zum Marktdurchbruch?

Virtual und Augmented Reality zählen schon seit Jahren zu den Top-Trendthemen im Bereich Technologie, Marketing und Medien. Nicht zuletzt das erfolgreiche AR Game Pokemon Go verhalf den XR-Technologien zu großer Bekanntheit und wachsender Akzeptanz. Der große Durchbruch lässt dennoch auf sich warten. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von der teuren Hardware bis hin zum fehlenden Mehrwert mancher Anwendungen.

Quelle: Bitkom Research, 2020, ab 16 Jahre, Deutschland

Mit der Pandemie stieg das Interesse an der Nutzung von XR-Technologien nachweislich an. Denn viele Erlebnisse waren durch Social Distancing nicht mehr möglich. Sowohl im Handel als auch im Entertainment-Sektor sorgten VR und AR für neue Möglichkeiten. Durch dieses steigende Interesse wachsen die Angebote. Zudem sinken Gerätepreise und Hardwareanforderungen.

XR Media Experiences: Wo sie zu finden sind

Wichtige Player wie Apple haben bereits stark in innovative XR-Startups investiert. Auch Medienhäuser experimentieren derzeit mit neuen AR- und VR-Angeboten – sei es im Journalismus, Bewegtbild oder Marketing. Das Münchner Unternehmen eyecandylab entwickelte in Kooperation mit Red Bull TV „The Last Ascent“, die weltweit erste AR-Implementierung für On-Demand-Streaming. Mit dieser AR Video Experience sind Zuschauer:innen hautnah dabei, wenn Bergsteiger Will Gadd die Eiskappen des Kilimandscharos besteigt und dort mit den Auswirkungen des Klimawandels konfrontiert wird.

Mehr zu XR Media Experiences gibt’s in unserem Netzwerkwissen AR Video Experiences.

Fake‘n’Trust: Warum gehen Vertrauen und Fake News Hand in Hand?

Das Vertrauen der deutschen Bevölkerung in die Medienwelt polarisiert. Das Edelmann Trust Barometer 2020 verzeichnete zwar einen Vertrauensanstieg im Vergleich zum Vorjahr, in den sozialen Medien mehren sich jedoch Kommentare und Vorwürfe zur sogenannten „Lügenpresse“. Zusätzlich wird die Masse an Informationen, die auf Nutzer:innen wirkt, täglich größer.

Quelle: Infratest Dimap/WDR (Oktober 2020) Glaubwürdigkeit der Medien 2020

Durch neue technologische Möglichkeiten wird es immer leichter, hochwertige Fake News zu erstellen und diese über digitale Plattformen im geschützten Raum zu verbreiten. Doch bei der Bekämpfung und Identifikation von Falschinformationen gibt es einige neue Entwicklungen und Helfer aus der digitalen Welt. 

Vertrauen wird zum zentralen Element des Geschäftserfolgs

Hochwertige Deepfake Videos und Audiobeiträge werden zu einer wachsenden Herausforderung für Medienschaffende und Konsument:innen. Sie stellen eine völlig neue Ebene von Falschinformationen dar – können aber auch zur Unterhaltung genutzt werden. Die TU München zum Beispiel hat mit ihrem Visual Computing Lab Anfang 2020 das Projekt Neural Voice Puppetry vorgestellt eine beeindruckende Methode, um Lippenbewegungen einer Zielperson auf Knopfdruck automatisch an die gewünschten Worte anzupassen.

Gerade in den bewegten Krisenzeiten ist das Vertrauen der Nutzer:innen in (Medien-)Marken zu einem der zentralen Elemente des Geschäftserfolgs avanciert. In Zukunft wird es daher noch stärker um die Frage gehen, wie und mit welchen Mitteln Medienhäuser das Vertrauen in ihre Angebote steigern können. Faktenchecks werden zu einem wichtigen Element der digitalen Berichterstattung.

Mehr zu Fake’n’Trust gibt’s in unserem Netzwerkwissen Deepfake Entertainment.

Automatisierung: Fluch oder Segen für den Journalismus?

Künstliche Intelligenz und Automatisierung spielen eine wachsende Rolle im Journalismus – und das nicht erst seit heute. Richtig eingesetzt kann Künstliche Intelligenz bereits jetzt zu einer Verbesserung und Erleichterung der redaktionellen Arbeit führen. Andererseits werden KI-Systeme in Redaktionen zum Teil auch immer wieder in Konkurrenz zu menschlichen Journalist:innen gesehen.  

Quelle: Screenshot The Guardian Reuters stellt in Zusammenarbeit mit dem KI-Start-up Synthesia einen vollautomatischen Deepfake-Moderator vor

Automatisierung kann auf unterschiedlichste Art und Weise zum Einsatz kommen: Vom Faktencheck über die Kuration von Inhalten bis hin zur automatisch generierten Sportberichterstattung ist mittlerweile fast alles möglich. Der Bayerische Rundfunk verfügt mit BR Data beispielsweise über ein eigenes Team, das sich speziell mit dem Thema Datenjournalismus auseinandersetzt. Auch die Süddeutsche Zeitung betreibt technologisch getriebene Recherchen.

Automated Journalism hat viele Gesichter

Individualisierung und Personalisierung sowie Datenjournalismus werden weiterhin eine dominante Rolle im Automated-Journalism-Bereich spielen. Denn: Leser:innen gewöhnen sich zunehmend an das auf ihre Lese- und Hörgewohnheiten angepasste Angebot – etwa über personalisierte Newsletter oder dynamisch anpassbare Newsformate über Sprachassistenten. Die Art und Weise, wie Geschichten auf Basis von automatisiert ausgewerteten Daten erzählt werden können, wird auch künftig den Erzählstil im Journalismus prägen. 

Mehr zum Thema Datenjournalismus erfährst du hier: Corona-Push für Datenjournalismus

Metaverse goes Mediaverse?

„Metaverse“, ein virtueller Raum, in dem sich Personen als Avatare bewegen und interagieren, ist eines der meist diskutierten Buzzwords der Tech-Szene. Aktuell hat der Begriff den Weg in die breite Öffentlichkeit gefunden. Verantwortlich dafür ist die Ankündigung von Mark Zuckerberg, Facebook zu einer „Metaverse Company“ umzubauen. In einem Interview gab er zudem an, man könne sich das Metaverse als den „Nachfolger des mobilen Internets“ vorstellen. Mit dieser Begeisterung ist Zuckerberg nicht allein.

Metaverse als Nachfolger des mobilen Internets?

Expert:innen sehen in einem Metaverse einen milliardenschweren Zukunftsmarkt und vergleichen das derzeitige Stadium mit den absoluten Anfängen des Internets, in dem nun innovative Unternehmen das Fundament für zukünftigen Erfolg legen können. Erste Prototyp-Metaversen lassen sich in der Gaming-Welt beobachten. Spiele wie Fortnite und Minecraft oder die Online-Spieleplattform Roblox zeigen bereits eindrücklich, welche Möglichkeiten sich für Nutzer:innen ergeben, aber auch für Medien, Marketing und Künstler:innen.

Ein Beispiel aus der Modebranche: Gucci erweitert die Marketingaktivitäten auf Roblox. | Quelle: Screenshot blog.roblox.com Das Gucci Garden Erlebnis

Mehr zu dem Trend und seinen Entwicklungen am Standort Bayern erfährst du in unserem Netzwerkwissen Metaverse goes Mediaverse?

NFT Media – Manie oder Money?

Von Musik und Kunst über Gaming bis hin zu einfachen Memes: Die Bandbreite an Non-Fungible Tokens (NFTs) ist riesig – und sie bringen zuweilen unglaubliche Summen auf Auktionen ein. Seit Ende 2020 sind NFTs ein viel diskutiertes Thema in der Netzcommunity. Es gibt kaum ein digitales Produkt, das noch nicht als NFT verkauft wurde. Inzwischen ist der Trend auch in der Medienbranche angekommen.

NFTs mischen die Medienbranche auf

Die New York Times war eines der ersten Medienunternehmen, das den Sprung ins NFT Business gewagt hat. Der Kolumnist Keven Roose versteigerte einen seiner Artikel als NFT für mehr als eine halbe Million Euro – der teuerste Artikel aller Zeiten.

New York Times NFT
Quelle: Screenshot New York Times Buy This Column on the Blockchain!

Auch bayerische Akteure mischen im NFT-Geschäft mit. So hat der FC Bayern München neben anderen großen Vereinen wie Paris Saint-Germain und Atletico Madrid seine Spieler als NFT-Token in das Fantasy-Fußballspiel Sorare eingebracht. Gamer:innen können sich ihre Lieblingsspieler erkaufen und so ihren eigenen virtuellen Kader aufbauen.

Mehr zum Thema NFTs erfährst du in unserem Netzwerkwissen NFT Media – Manie oder Money?

Medientrends

Content & Storytelling

Vodcasting
Rise of Audiobooks
Niche Video
Social Media Storytelling
Journalismus als Purpose Event
Object-based Media

Vodcasts: Mehrwert durch Video-Optionen?

Podcasts sind und bleiben das Boom-Thema der Audiobranche. Eine Übersättigung des Markts, der sogenannte Peak Podcast, ist noch nicht in Sicht. Noch immer gibt es unbesetzte Nischen, die darauf warten, durch ein neues Podcast-Format bedient zu werden.

Sind Vodcasts die neuen Podcasts?

Die Möglichkeit, von der Audience gefunden zu werden, und die Abgrenzung zu anderen Podcast-Formaten spielen eine immer wichtigere Rolle. Vodcasts (Video-Podcasts) bieten hierbei eine interessante Möglichkeit, um das boomende Audio-Format mit Bewegtbild anzureichern und somit für ein neues Podcast-Erlebnis zu sorgen – mit positivem Effekt auf Discoverability und Fandom.

Quelle: Online-Audio-Monitor 2020

In Zukunft werden sich immer mehr Podcasts zu Vodcasts wandeln. Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe: Zum einen gibt es mit YouTube, Twitch und neuerdings auch Spotify immer mehr Möglichkeiten der Bewegtbildintegration bei der Podcast-Ausspielung. Zum anderen sorgen Vodcasts für eine neue Erlebnisebene im Vergleich zu reinen Audio-Podcasts. Für die Hörer:innen entsteht ein Gefühl von Nähe zu den Lieblingspodcaster:innen, ohne dass das einzigartige Podcast-Erlebnis verloren geht.  

Audiobooks: Profitieren vom Audiotrend in den jungen Generationen

Die Popularität von Audiobooks geht Hand in Hand mit dem Trend der stärkeren Audionutzung. Weltweit sind kontinuierlich hohe Wachstumsraten zu beobachten. Gerade in den jungen Generationen Deutschlands erfreuen sich Hörbücher und Hörspiele großer Beliebtheit. Der klassische Buchhandel kann jedoch nicht von dieser Entwicklung profitieren, wie die sinkenden Umsätze zeigen.

Streamingdienst-Anbieter stocken auf

Das digitale Audiobook-Angebot wurde bisher hauptsächlich vom Branchenprimus Audible bestimmt. Doch auch hier zeigt sich Bewegung: Der Streamingdienst Deezer startete beispielsweise mit Audiobooks by Deezer eine separate App für Hörbücher und Hörspiele und ist damit aktuell der einzige Anbieter, der neben Musik und Podcasts auch ein separates Angebot für Hörbücher bereithält.

Quelle: Bookwire (2020): Report „Listen & Read: The Battle for Attention“

Die Corona-bedingte Suche nach Eskapismus wird in Zukunft zu einem großen Nutzungsanstieg bei Audiobooks führen. Branchenexpert:innen rechnen auf lange Sicht mit zweistelligen Wachstumszahlen. Aktuelle Entwicklungen deuten darauf hin, dass das Audiobook dabei nicht in Konkurrenz zum gedruckten Buch steht, sondern Nutzungsanteile vom E-Book abzieht. Laut Umfragen gibt es in Deutschland derzeit ein unausgeschöpftes Nutzerpotenzial von rund acht Millionen Menschen.

Die Nische als Aufmerksamkeitsmagnet für Bewegtbild

Um aus der großen Einheitsmasse hervorzustechen, positionieren sich Medienunternehmen seit geraumer Zeit erfolgreich in der Nische. Niche Media hat sich in den vergangenen Jahren als lukrative Strategie bei der Geschäftsmodellentwicklung kleinerer Player erwiesen. Sowohl das gezielte Adressieren einer Nischenzielgruppe als auch die Besetzung eines Nischenthemenfeldes sind erfolgversprechend.

Die Sehnsucht nach Niche Contents

Massenmedien und auch soziale Netzwerke gleichen sich in Inhalten und Funktionalitäten immer weiter an. Eine britische Studie fand zudem heraus, dass 43 Prozent der Brit:innen soziale Medien als unnötige Ablenkung empfinden und sogar 52 Prozent bereit wären, generischen Plattformen wie Instagram und Facebook den Rücken zu kehren. Dahinter steckt ein tieferes Bedürfnis: User:innen sehnen sich nach medialen Inhalten, die aus der Masse herausstechen, die ihre individuellen Nischeninteressen bedienen und sie mit Gleichgesinnten zusammenbringen. Beispiele dafür sind etwa auf Twitch gestreamte Schachspiele oder das Videoformat „Pizza Reviews” des digitalen Medienunternehmens Barstool Sports.

Quelle: Screenshot nytimes.com Chess Is Now a Streaming Obsession

Social Media Storytelling: Experimentieren mit einer Trial-and-Error-Kultur

Der Drang, journalistische Produkte zu monetarisieren, bringt Publisher und Medienhäuser dazu, mit neuen Formaten zu experimentieren. Technologien und Trends, die aus den sozialen Medien entliehen werden, dienen dabei immer wieder als Ansatzpunkte für Innovation. Gerade im News Business ist der Kampf um die Aufmerksamkeit der Nutzer:innen in vollem Gange. Ein Drittel (34 Prozent) der erwachsenen Internetuser:innen nutzte 2019 soziale Medien als Nachrichtenplattform. 

Um sich zu informieren, verwendet die Generation Z am häufigsten Instagram. Sie für klassische Medien-Outlets zu begeistern, gehört künftig zu den größten Herausforderungen der Branche. Die großen sozialen Netzwerke, aber gerade auch Newcomer wie TikTok, bieten hierfür interessante Möglichkeiten.

Sophie Scholl wird zur Instagram-Influencerin

Anlässlich des 100. Geburtstags von Sophie Scholl holte beispielsweise ein Instagram-Projekt von SWR und BR die Widerstandskämpferin aus den Geschichtsbüchern ins Hier und Jetzt zurück. Auf dem Kanal @ichbinsophiescholl lässt die 21-jährige Sophie Scholl, gespielt von Luna Wedler, ihre User:innen hautnah und emotional an den letzten zehn Monaten ihres Lebens teilhaben. Der Ansatz, durch Social-Media-Experimente mehr Aufmerksamkeit auf die eigenen Plattformen zu bringen, wird in Zukunft viele Pionier:innen und Nachahmer:innen finden. Das Prinzip Trial-and-Error mit Social-Media-Ideen wird so zu vielen neuen Formaten führen.

Quelle: Screenshot instagram.com – Profil Sophie Scholl

Eventcharakter für gesellschaftlich brisante Themen nutzen?

Jüngere Zielgruppen haben ein großes Interesse an aktuellen, gesellschaftlich relevanten Entwicklungen wie dem Klimawandel, rechter Gewalt, Diversity oder Gleichberechtigung. Journalistische Reportagen, wie etwa die vielbeachteten Doku-Formate von Reporter Thilo Mischke, haben sich in der Prime Time als sehr erfolgreich erwiesen.

Event-Formate im journalistischen Kontext boomen

Mit dem Joko & Klaas „15 Minuten LIVE”-Format, in dem auf brisante gesellschaftliche Themen aufmerksam gemacht wird, ist ProSiebenSat.1 einer der Vorreiter. Dabei scheint die Event-ähnliche Umsetzung und Platzierung eine besondere Rolle zu spielen, denn journalistische Dokus und Reportagen in Print, Audio und öffentlich-rechtlichem Fernsehen sind bei weitem nichts Neues. 

Quelle: Screenshot ProSieben.de Joko und Klaas gegen Pro7

Haltung und Purpose dominieren die Marketing- und Medienwelt: Klimawandel, Terrorismus, Corona-Krise und die Bundestagswahl sind nur einige der großen Themen, die uns weiterhin beschäftigen werden. Künftig werden daher mehr Medienhäuser mit neuen, Event-ähnlichen Formaten im journalistischen Kontext spielen. Auch Medienmarken müssen sich mit Themen befassen, die eng an gesellschaftliche Fragestellungen geknüpft sind.

Mit Object-based Media zum hyper-individuellen Nutzungserlebnis

Die Produktionsabläufe in Medienhäusern sind zwar längst voll digitalisiert, doch meist zielen sie zuerst auf die lineare Verbreitung der Inhalte ab. Für jedes neue Format, für jeden neuen Ausspielweg müssen Inhalte unterschiedlich aufbereitet werden, um das optimale Nutzungserlebnis zu präsentieren – falls dafür überhaupt die nötigen Ressourcen zur Verfügung stehen.

Quelle: BBC R&D Das Konzept Object-based Media anschaulich erklärt

Das Schlagwort Object-based Media beschreibt einen Produktionsprozess, der dieses Vorgehen komplett auf den Kopf stellt. Programme sollen nicht mehr im Schnitt montiert und das gleiche Produkt an alle Empfänger:innen gesendet werden. Stattdessen wird das gesamte Quellmaterial direkt verbreitet, zusammen mit einer Anleitung, wie es auf den Geräten der Nutzer:innen zusammengesetzt werden kann.

Vom Forschungsprojekt zum produktiven Einsatz

Layout und Dauer von Inhalten lassen sich durch dieses Vorgehen mit einem Klick für unterschiedliche Ausspielformate und Social-Media-Plattformen optimieren. Außerdem können sie sich hyper-individuell etwa an das Zeitbudget einzelner Nutzer:innen anpassen. So kann sich die Länge eines Podcast beispielsweise nach der Fahrzeit richten, je nachdem ob Stau zu erwarten ist oder nicht. Auch automatische Recaps von TV-Sendungen oder dem Terminkalender entsprechende Wetterberichte sind denkbar. Zudem schafft die Technologie die Grundvoraussetzung für kostengünstige Barrierefreiheit, etwa um Schriftgrößen im Fernsehen für Menschen mit Sehschwäche anzupassen.

Mehr dazu erfährst du in unserem Netzwerkwissen Mit Object-based Media zum hyper-individuellen Nutzungserlebnis.

Die Medientrends-Präsentation

Medientrends 2021

SHEconomy, Audiobooks, Vodcasting und Green Media: Trends aus den Bereichen Prozesse & Entwicklungen, Mensch & Gesellschaft, Technologie & Innovation und Content & Storytelling prägen die Medienlandschaft maßgeblich.      

Hier findest du die gesamte Präsentation zu unseren Medientrends 2021.

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Ansprechpartner

Magnus Gebauer

Experte für Medientrends

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